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Was ehrenamtliche Ausdauer schafft

"Orgel des Monats August 2017" in Woltershausen

Sehr viel Kuchen wurde am 11. Juni in Woltershausen kredenzt. Viele Freiwillige hatten gebacken und Kaffee gekocht; beides wurde beschwingt ausgeteilt, denn in der St. Marienkirche gab es Anlass zu feiern: die Wiedereinweihung der historischen Schaper-Orgel. Seit April war das Instrument, das die Stiftung Orgelklang als "Orgel des Monats August 2017" würdigt, restauriert worden; Anfang Juni nun hatte die orgellose Zeit in St. Marien ein Ende. Nach Festandacht und Danksagung gab es vor dem Kuchen - aber natürlich einen ausgiebigen Ohrenschmaus: Die örtliche Orgelrevisorin zog buchstäblich alle Register. "Die Bandbreite von Zeiten und Stilen von Bach bis Jazz" wurde den Zuhörern vor Ohren geführt, sagt Pfarrer Hagen Faust, der das Konzert und den neuen Klang der restaurierten Orgel sehr genossen hat.

Das vor 153 Jahren in der Orgelbauwerkstatt von Heinrich Schaper entstandene, ursprünglich mit einem frühbarocke Stil versehene Instrument im niedersächsischen Woltershausen war im Lauf der Jahre nach neobarocken Vorstellungen verändert worden. Dabei wurde ein Register vollständig entfernt und das Klangbild entsprechend aufgehellt. Auch wenn die finanziellen Mittel der Gemeinde nicht für eine vollständige Wiederherstellung der originalen Disposition reichten, ist Hagen Faust sicher, dass sich die Sanierung des Instruments gelohnt hat. Nicht nur des schönen neuen Klanges wegen, und auch nicht nur, weil das Gehäuse der Orgel farblich verschönert wurde und nun zur Gesamtkomposition des Kirchenraumes passt. Sehr zufrieden sind auch diejenigen, die das Instrument spielen: "Für die Musiker ist das eine große Erleichterung, weil sie sich keine Sorgen mehr darüber machen müssen, ob ihnen vielleicht zwischendurch ein Ton versackt".

Sehr starke Verschmutzungen hatten das Wirken am Spieltisch der Schaper-Orgel erschwert, die letzte Instandsetzung ist lange her. Also gingen die Sanierer grundsätzlich zu Werke: Alle Metall- und Holzpfeifen kamen zur Reinigung und Reparatur in die Werkstatt, auch Tonventile im Windladen, die Windanlage, die Registertraktur und der Spieltisch wurden sorgfältig gereinigt und instand gesetzt. Weil alles nach Plan lief, konnte die Orgel schon bald zur Intonation und Stimmung an die Rückempore von St. Marien zurückkehren. Rund 15.200 Euro hat die Restaurierung gekostet. Die Stiftung Orgelklang fördert das Projekt mit 2.000 Euro.

Sehr dankbar ist Hagen Faust auch für das Engagement der Woltershausener dabei. "Es ist kein reiches Dorf", sagt er, "trotzdem wurde nach den jeweiligen Möglichkeiten gespendet, zum Beispiel bei besonderen Gottesdiensten". Und: "Eine Menge Leute haben während der Sanierung immer wieder geputzt, das war viel Arbeit!" Voll des Lobes ist der Theologe insbesondere für die Mitglieder des Kirchenvorstands, die sich zum "Orgelausschuss" zusammengetan, und das Projekt von den Anfängen im Jahr 2013 an betreut haben. Als Pfarrer, der für zehn Ortschaften verantwortlich ist, kann er "allenfalls Impulse" geben -  "für ein langfristiges Engagement fehlen mir schlicht die Ressourcen". Umso größer ist sein Respekt für diejenigen, die Anträge gestellt, Angebote eingeholt, auf Zeitvorgaben geachtet und bei all dem viel von ihrer Freizeit geopfert haben - jahrelang. "Das sind keine Fachleute, das ist wirklich nicht trivial!"

Entsprechend groß war der Dank, den Hagen Faust nach der Andacht am 11. Juni aussprechen konnte, und vielleicht waren es auch die Kuchenstücke, die es danach gab. Die Kollekte an jenem Sonntag konnte sich jedenfalls noch einmal sehen lassen. Rund 350 Euro hatten die Woltershausener gegeben, "ein schöner Bonus für die Abschlussfinanzierung".


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Publikationsdatum dieser Seite: Freitag, 15. September 2017 00:02