Happy End in der Marienkirche in Sicht
„Orgel des Monats Januar 2026“ in Artern
Die Verabschiedung war auch ein bisschen traurig, denn die Wege sollten sich (vorerst) trennen: Mit einem kleinen Konzert hatte die Gemeinde in Artern (Thüringen) im November ihre Orgel in der Marienkirche entlassen. „Gleichzeitig waren wir froh, dass es mit der Sanierung losgehen konnte“, erinnert sich Jürgen Puchta, der Kirchenälteste. Viele Jahre lang hatte man sich in Artern um Gelder für die Ertüchtigung des Instruments bemüht, berichtet er.
Der 79-Jährige ist einer derjenigen, die „gern dafür sorgen, dass die Sanierung nun vorankommt“. Die Kirche und die Musik liegen ihm gleichermaßen am Herzen; seit er 16 Jahre alt ist, singt Puchta im örtlichen Kirchenchor. Nachdem St. Marien im Laufe der Jahre Stück für Stück umgebaut und modernisiert worden ist, bleibt der übergroße, prächtige Prospekt der Orgel das Einzige, was Puchta an das Gotteshaus seiner Kindertage erinnert.
Dieser Prospekt stammt von einer Vorgängerorgel; Fachleute datieren ihn auf das 16. Jahrhundert, die genaue Herkunft ist unbekannt. Er steht zwar noch immer an seinem Platz auf der Westempore, die Orgelpfeifen und Windladen aber fehlen: Ein Großteil befindet sich in der Werkstatt der Orgelbaufirma Eule in Bautzen, wo sie den Winter hindurch aufgearbeitet werden. In der Zwischenzeit wird auch der Prospekt restauriert. Anschließend beginnen der Wiedereinbau der restaurierten Teile, die Instandsetzung der Bälge und die Intonation des wiederhergestellten und um ein Register erweiterten Instruments. Rund 150.000 Euro wird dies alles kosten.

Marienkirche Artern

Marienkirche Artern

Marienkirche Artern

Marienkirche Artern

Marienkirche Artern

Marienkirche Artern

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„Spenden dafür haben wir bei jeder Gelegenheit gesammelt“, berichtet Jürgen Puchta. Allein die erste Initiative habe schon 10.000 Euro erbracht: Ein Foto der Orgel wurde in viele kleine Quadrate geschnitten, jedes Teil dann gegen Spende abgegeben. Schnell waren das Orgelpuzzle komplett und die Sanierungskasse ein Stück weit gefüllt. Weitere Aktionen: Benefizkonzerte, Pfeifenpatenschaften und Einzelspenden, ließen die Spendensumme auf stolze 50.000 Euro anwachsen. Die Stiftung Orgelklang unterstützt die Gemeinde mit 5000 Euro.
Die Orgel in der Marienkirche – vermutlich ließe sich ein Roman unter dieser Überschrift verfassen. Schon im Jahr 1744 wird die „Königin der Instrumente“ erstmals in Urkunden erwähnt; der Erbauer blieb dabei unbekannt. In einem Gutachten aus dem Jahr 1954 heißt es: „Es gewinnt den Anschein, dass das prächtige, für den Raum überdimensionale, aus großen Pfeifentürmen und Verzierungen bestehende Orgelgehäuse einst aus einer größeren Kirche nach Artern gekommen ist.“ Dank zahlreicher Renovierungen funktionierte das Instrument hinter dem prächtigen Prospekt mehr als 200 Jahre lang, bis es „durch Kinderhände“ so gründlich zerstört wurde, dass es einer neuen Orgel weichen musste. Seit 1984 tönt nun eine Nachfolgerin in St. Marien. Sie stammt zu großen Teilen aus der Werkstatt von Christian Friedrich Voigt und wurde aus einem stillgelegten Gotteshaus in Eisleben nach Artern übersiedelt. Dass das Instrument schon 35 Jahre nach diesem Transfer hörbar erneuert werden muss, ist Materialknappheit und Lieferengpässen der DDR-Zeit geschuldet. „Viele Werkstoffe waren falsch gewählt oder im Orgelbau nur bedingt einsetzbar.“
Zum Glück ist nun ein Happy End in Sicht: Im Sommer erwartet die Gemeinde das Instrument aus der Werkstatt zurück. Die Begrüßung der wiederhergestellten „Königin“ werde „gebührend gefeiert“, betont der Kirchenälteste. „Denn dann werden wir uns mächtig darüber freuen, dass unsere Orgel wieder da ist!“