Spielbarkeit des Instruments ist stark eingeschränkt
„Orgel des Monats Mai 2026“in Königsee
Ein Goldschatz befindet sich in der Kirche „Zum Lobe Gottes“ im thüringischen Königsee. Genauer gesagt: auf der zweiten Empore dieser so schön benannten Kirche. Sie ahnen: Es handelt es sich nicht um die landläufig imaginierte Sammlung von Münzen und Schmuck aus edlen Metallen. Gemeint ist vielmehr ein Kunstwerk anderer Art: die historische Orgel. Unter der Überschrift „Einzigartig – Orgelschatz Königsee“ werben Verantwortliche und Orgel-Sympathisanten der Gemeinde (mit einer wunderschön gestalteten Internetseite) für das Instrument, das seit Bestehen des Gotteshauses von der Empore tönt und viele Gottesdienste versüßt.
Im Jahr 1871 wurden Kirche und Orgel eingeweiht, Raum und Klang waren zusammen konzipiert, eine Seltenheit in Deutschland. Das Instrument stammte aus der damals hoch renommierten Werkstatt der Gebrüder Schulze, deren Standort in Paulinzella nur wenige Kilometer von Königsee entfernt war, die ihre Werke aber bis nach England, Italien, Nord- und Südamerika exportierte. Die große Orgel in Königsee besitzt 20 Register und zwei Manuale; glücklicherweise wurde sie in der Vergangenheit kaum verändert, sodass sie heute als das einzige original erhaltene Instrument aus der letzten Generation der Orgelbauerfamilie gerühmt werden kann.
Die insbesondere in den letzten Jahren kaum vorhandene Neigung, das imposante Werk zu verändern, hat indes auch Schattenseiten. Hartmut Höland drückt es so aus: „Es hat sich der Dreck von Jahrzehnten angesammelt“. Und es gibt einige Reparaturbedarfe am Instrument. Höland, seit zwei Jahren mit der Pflege des Instruments betraut, kennt sie alle: Der Motor des Gebläses ist zu laut, Lederteile in der Mechanik (wie der Balg) sind porös geworden, Holzteile spröde. Und dann sind eben doch auch irgendwann einige Pfeifen abgeschnitten worden, um höhere Tonlagen zu erreichen. Kurzum: Die Spielbarkeit des Instruments ist stark eingeschränkt. „Jetzt ist der Zeitpunkt für eine umfassende Restaurierung unserer schönen Orgel“, betont Höland.

Zum Lobe Gottes Königsee

Zum Lobe Gottes Königsee

Zum Lobe Gottes Königsee

Zum Lobe Gottes Königsee

Zum Lobe Gottes Königsee
In seinem beruflichen Leben hat der 73-Jährige Thüringer Schiefer und Glasgewebe verkauft, heute kümmert er sich um Anträge, Gutachten, Verträge und Spenden. Seine Motivation ist so edel wie nachvollziehbar: „Ich wollte etwas für Königsee tun“, sagt der Rentner schlicht – und wird dann doch noch persönlicher: Sein Vater habe ihm die Sorge für die Orgel am Sterbebett angetragen. Und bei der Trauerfeier zu dessen Beerdigung hätten „falsche oder gar nicht erklingende Töne“ dieser Bitte Nachdruck verliehen.
Hartmut Höland und seine Mitstreitenden kommen gut voran. Das Orgelinnere ist ausgebaut, einige Pfeifen werden in der Werkstatt der Firma Eule in Bautzen gereinigt und gerichtet. Im Zuge des zweiten Bauabschnitts, den die Stiftung Orgelklang mit 4.000 Euro fördert, wird es um einen neuen Motor und eine gute Luftzufuhr gehen, um die Verschönerung des Prospekts und Elektroarbeiten. Am Ende soll das Instrument an seinem Platz neu gestimmt werden und dann wieder so klingen, wie es dereinst im Hause Schulze konzipiert war.
Klingen muss dafür auch die bare Münze: Rund 223.000 Euro, sagt Höland, werden für die Sanierung benötigt. Dank „toller Unterstützung, auch von außerhalb“ kamen zahlreiche Gelder zusammen. Spenden gab es durch Benefizkonzerte bei den „Musiksommern“ der letzten Jahre. Seit ein paar Monaten ist in Königsee außerdem „Orgel-Brot“ zu erstehen, für das ein regionaler Bäckermeister eine neue Brotmischung kreierte und diese nun in seinen Filialen anbietet. Für Orgelfreundinnen und -freunde ist diese Speise doppelt köstlich, kommt doch ein Teil der Einnahmen der Restaurierung zugute.
Hartmut Höland freut sich über jede Idee für und jeden Fortschritt an der Schulze-Orgel. „Als ich anfing, mich damit zu beschäftigen, sagten mir erfahrene Menschen, dass so ein Projekt mindestens fünf, sechs Jahre dauert, bis es zum erfolgreichen Abschluss käme. Worauf ich erwiderte, dass ich diesen Erfolg aber schon noch miterleben will!“ Die Chancen dafür stehen bestens: Tatsächlich könnte die Sanierung des Instruments in Königsee schon im September nächsten Jahres beendet sein. „Wir glauben fest an das Projekt Orgelschatz“, heißt es auf der eingangs erwähnten Internetseite, „und zwar zum Lobe Gottes“.