Die Stiehr-Orgel in St. Georg zu Kandel
Die Stiehr-Orgel in St. Georg zu Kandel Wolfgang Heilmann

Drei Bälge für St. Georg

Restaurierung der Stiehr-Orgel in Kandel abgeschlossen

Eine Orgel historisch originalgetreu zu restaurieren ist ein komplexes Unterfangen – und manchmal gar nicht zu machen, weil niemand weiß, wie das Instrument ursprünglich geklungen hat. In St. Georg zu Kandel (Rheinland-Pfalz) sieht die Sache glücklicherweise ganz anders aus.

1842 hat Joseph Stiehr (1792–1867) die Orgel in St. Georg errichtet. Das Instrument gilt als seltenes und künstlerisch äußerst wertvolles Beispiel elsässischen Orgelbaus in der Pfalz aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 31 klingende Register auf zwei Manualen sorgen für einen kraftvollen und warmen Klang – zumindest sollte das so sein, aber so richtig hervorlocken ließen sich diese Klänge nur mit sehr viel Mühe. Der Grund: eine „unsachgemäße“ Renovierung Anfang der 1970er Jahre.

Zwar ist das Instrument in Kandel die einzige in der Pfalz erhaltene romantische Stiehr-Orgel, doch glücklicherweise stehen mehrere aussagekräftige Vergleichsinstrumente im benachbarten Elsass. Somit ist die Quellenlage allgemein hervorragend – beste Voraussetzungen also für ein erfolgreiche Restaurierung in Sachen Technik und Klang. Dazu war jedoch eine lange Vorbereitungszeit nötig.

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31 klingende Register hat die Orgel, hier das Cornet Anja Neupert

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Das komplizierte Innenleben der Orgeltechnik Anja Neupert

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Die neuen Zungenregister französischer Bauart Wolfgang Heilmann

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Pfeifen im Oberwerk Wolfgang Heilmann

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Prospekt der 1842 errichteten Stiehr-Orgel Eckhard Zechiel

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Registerzüge im Obermanual Wolfgang Heilmann

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Nach historischem Vorbild angefertigter Spieltisch Wolfgang Heilmann

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Ventile steuern die Windversorgung der Orgel Wolfgang Heilmann

Schon ab 2003 begann die Gemeinde mit dem Sammeln von Spenden, 2010 gründete sich der Förderverein St. Georgskirche Kandel e.V., der regelmäßig Veranstaltungen und Konzerte organisiert. Mit Erfolg: die Reparatur der Turmuhr, der Einbau von Taubenschutzgittern im Turm und ein barrierefreier Zugang zur Kirche konnten realisiert werden. Am Ende hat die Gemeinde stolze 190.000 Euro aufgebracht. Richtig Fahrt aufgenommen hat die Orgelsanierung mit der Förderzusage der Landeskirche. Als dann noch die Stiftung Orgelklang mit der Orgel des Monats August 2019 und die Sparkassenstiftung mit im Boot waren, stand dem Projekt nichts mehr im Wege.

Die Spezialisten der Orgelbaufirma Koenig aus Sarre-Union im Elsass haben hervorragende Arbeit geleistet. Spiel- und Registertraktur der Orgel wurden rekonstruiert und das gesamte Pfeifenwerk gesäubert und hergerichtet. Der Löwenanteil der über 1.900 Pfeifen sind noch im Original von 1842 erhalten. Bei der missglückten Renovierung von 1972 hatte man die alten französischen Zungenpfeifen durch deutsche ersetzt, die so gar nicht zum Charakter des Instruments passen wollten. Jetzt klingen wieder kräftige Zungenpfeifen französischer Bauart.

Auch die Windversorgung haben die Orgelbauer nach dem ursprünglichen Vorbild rekonstruiert. Die Windladen – das Herzstück der Orgel – steuern nach einem komplizierten System die Pfeifen an. Versorgt werden sie über drei Keilbälge mit historischer Kalkantenanlage. Damit arbeitet die Windversorgung wieder wie früher mit hölzernen Windkanälen und Bleikondukten.

Zu guter Letzt wurde das Orgelgehäuse, das nach Plänen des königlich-bayerischen Hofbaumeisters August von Voit im Zuge des Umbaus der Kirche 1836–1840 gestaltet wurde, wieder vervollständigt und instandgesetzt.

So ist nun eines der bemerkenswertesten Instrumente des 19. Jahrhunderts im Südwesten der Republik wieder wunderbar zu bespielen und kann mit seinen ausgewogenen Klangelementen begeistern. Wir von der Stiftung Orgelklang sind froh und dankbar, dass wir dank unserer zahlreichen Spender und Spenderinnen unseren Teil dazu beitragen konnten.