Orgel in der Unterkirche St. Georg Bad Frankenhausen

Musikalische Botschafterin der Kirche

In Bad Frankenhausen wird die „Orgel des Monats Juni“ saniert

„Mit Musik können wir uns hier bemerkbar machen“, sagt Pfarrerin Magdalena Seifert. Die Theologin ist in der Kirchengemeinde Bad Frankenhausen tätig, die im thüringischen Kyffhäuserkreis und damit in einer seit Jahrzehnten entkirchlichten Gegend liegt. Schöne Erfahrungen hat die Pfarrerin in den zurückliegenden Jahren gemacht, weil es der Gemeinde immer wieder gelang, musikalisch auch mit vielen kirchenfernen Besuchern anzubandeln. Sei es durch die regelmäßigen Chorprojekte, die Kantorin Laura Schildmann für Gläubige wie Nicht-Gläubige anbietet, oder die vielen Konzerte in der zentral gelegenen Unterkirche. Schon von jeher hat die Orgel dabei eine tragende Rolle gespielt. In diesem Jahr – passend zur Feier „800 Jahre Kirche am Ort“ – beginnt die Sanierung des musikalischen Herzstücks der Gemeinde, damit es später noch kräftiger für seinen Standort und die damit verbundene Botschaft werben kann.

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Unterkirche St. Georg Bad Frankenhausen 

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Unterkirche St. Georg Bad Frankenhausen 

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Das von der Stiftung Orgelklang als „Orgel des Monats Juni“ gewürdigte Instrument wäre schon seiner eigentlichen klanglichen Ausstrahlungskraft und Bedeutung für die in der Kirche regelmäßig stattfindenden Gottesdienste und Konzerte wegen unbedingt restaurierungswürdig. Doch auch aus historischer Perspektive ist die Instandsetzung geboten: Die Orgel zählt nach Ansicht des Orgelhistorikers Jiri Kocowrek zu den bedeutenden Denkmalorgeln Mitteldeutschlands.

Geschaffen wurde das Instrument im Jahr 1703 von Johann North, einem weniger bekannten Orgelbauer, der sich eigens zur Fertigung in Bad Frankenhausen niederließ. Von seinem Werk sind das barocke Gehäuse und zwölf Register bis heute erhalten. Ihren Namen erhielt die heutige Orgel indes von Julius Strobel. Als Werkmeister einer bedeutenden Werkstatt in Paulinzella verantwortete er zunächst 1843 den Umbau des Instruments; 1886 schließlich schuf er in eigener Werkstatt in Bad Frankenhausen hinter der barocken Fassade eine neue Orgel. Mit 49 Registern auf drei Manualen und Pedal entstand so eines der größten hochromantischen Instrumente seiner Zeit und Region mit einer geschlossenen Klangkonzeption und die größte romantische Orgel aus einer Thüringer Werkstatt. Die Strobel-Orgel bezeugt bis heute den individuellen klanglichen Stil ihres Namensgebers und dessen technische Raffinesse; der große Anteil original erhaltener Substanz macht sie zu einem Vorzeigeobjekt in der Orgellandschaft der Region.

Rund 575.000 Euro wird die Rückführung des Instruments in den Zustand von 1886 kosten. Die Stiftung Orgelklang fördert den ersten Bauabschnitt in diesem Jahr mit, nicht zuletzt dank einer prominenten Projektspende, 15.000 Euro. In wenigen Wochen werden die Arbeiten beginnen, die Schirmherrin dafür ist die frühere Ministerpräsidentin Thüringens, Christine Lieberknecht. Den Startschuss will die Gemeinde mit einer letzten Orgelmatinee und einem „Orgelessen“ begehen. Denn: „Wir haben eine Gemüseorgel“, sagt Pfarrerin Magdalena Seifert. Die auf dem Prospekt des Instruments abgebildeten Früchte hatten schon im vergangenen Jahr dazu inspiriert, interessierten und spendablen Gemeindegliedern ein entsprechendes Menü anzubieten; der auch finanzielle Erfolg soll nun zur Wiederholung des gemeinsamen Mahls führen.

Aber nicht nur gegessen wird in Bad Frankenhausen im Dienste der guten Sache, sondern man betätigt sich auch sportlich: Zum fünften Mal wird es in diesem Sommer den „Orgellauf“ geben, dessen Teilnehmer sich große oder kleine Runden durch die Stadt von Sponsoren entgelten lassen. „Wer möchte, läuft schnell, wer es lieber langsamer hat, kann auch spazieren“, sagt die Kantorin, die den Lauf im Jahr 2011 mit dem Orgelverein der Gemeinde ins Leben gerufen hat. Hauptsache ist, dass am Ende ein Betrag für die Orgelsanierung steht.

Nicht zuletzt sind es natürlich auch musikalische Genüsse, mit denen man in Frankenhausen um Spenden wirbt. Benefizkonzerte im Rahmen der traditionellen und in der Region sehr beliebten Sommermusiken haben schon in den Vorjahren für finanzielle Zuflüsse gesorgt. In diesem Jahr werden die vielen Konzerte in der Unterkirche ohne Orgelklang auskommen müssen. Umso mehr freuen sich Gemeindemitglieder und Orgelfreunde schon jetzt auf die Rückkehr der wiederhergestellten Strobel-Orgel.