Orgel in St. Nikolai Grünlichtenberg

Sanierung zum Geburtstag

„Orgel des Monats Januar 2017“ in Grünlichtenberg

Christian Friedrich Göthel ist nur wenigen Menschen bekannt. Michael Kreskowsky aber gerät geradezu ins Schwärmen, wenn es um den Mann geht, der vor 150 Jahren die Orgel in der St. Nikolai-Kirche im sächsischen Grünlichtenberg erbaute: „Weil er eigentlich ein Laie war. Er konnte Leierkästen bauen, dann hat er sich viele Silbermann-Orgeln in der Region genau angeschaut, und schließlich selbst Orgeln gebaut.“ Göthels Instrument in Grünlichtenberg ist eines seiner größten, und es ist sehr gut erhalten. Denn obwohl der Autodidakt schon damals eher zu den weniger berühmten Orgelbauern in Sachsen zählte, verstand er das gewählte Handwerk ausgesprochen gut. So gut, dass er sogar von Kollegen ohne Umschweife als „billiger, redlicher und geschickter Meister“ anerkannt wurde, wie es 1843 in einem Orgelabnahmebericht heißt. Heute hat sein eng am Silbermann’schen Vorbild orientiertes Werk in Sachsen einen hohen denkmalpflegerischen Wert.

Gern spricht Michael Kreskowsky über Christian Friedrich Göthel und die „Orgel des Monats Januar 2017“ in St. Nikolai. Der 38-jährige Museumspädagoge wohnt im Pfarrhaus von Grünlichtenberg – die beiden Pfarrer leben in anderen Orten der insgesamt elf Kirchen umfassenden Gemeinde – er ist der Vorsitzende des örtlichen Kirchenvorstandes und derjenige, an dessen Tür es klingelt, wenn jemand außer der Reihe Zutritt zur Kirche haben möchte. „Wenn Leute aus dem Dorf kommen, die keine Kirchenmitglieder sind und sagen, sie wollen unsere Kirche gern Besuchern zeigen, bin ich schon stolz. Das ist anders als in anderen Dörfern“, sagt Kreskowsky. Und lächelt: „Die bitte ich dann natürlich auch zur Kasse.“

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St. Nikolai-Kirche Grünlichtenberg 

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St. Nikolai-Kirche Grünlichtenberg 

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St. Nikolai-Kirche Grünlichtenberg 

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St. Nikolai-Kirche Grünlichtenberg 

auf der Landkarte anzeigen

Spenden sammelt der gebürtige Grünlichtenberger für die Restaurierung der Göthel-Orgel. Das 1867 erbaute Instrument muss dringend gereinigt und restauriert werden, das Gehäuse ist von Schimmel befallen. Disposition und Prospekt sollen dem Original so weit wie möglich wieder angeglichen werden. Die Stiftung Orgelklang fördert das Projekt aus Erträgen der Dr. Thomas Baumann Orgelstiftung Sachsen in der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Stiftung KiBa) mit 5.000 Euro; insgesamt sind rund 85.000 Euro aufzubringen.

Michael Kreskowsky ist voller Ideen und guter Dinge. „Kleinvieh macht viel Mist“ ist eines seiner Leitworte. Und er hat Recht: Die Weihnachtskarte, die er hat drucken lassen, hat sich gut verkauft, ebenso wie die Orgel-CDs und die alten Prospektpfeifen. „Die gingen vor Weihnachten weg wie warme Semmeln.“ Konzerte, Ausstellungen und Vorträge in der Kirche werden von sehr vielen Menschen besucht, der Museumspädagoge („Klappern gehört zum Handwerk“) hat einen guten Draht zur örtlichen Presse. Gemeinsam mit einem kleinen Kreis von Mitstreitern gibt er die Anstöße für Aktionen, „aber wenn es zum Beispiel um die Verpflegung bei einer Veranstaltung geht, dann macht die ganze Gemeinde mit“.

Gemeinsames Engagement ist ein Teil des Erfolgsrezeptes in Grünlichtenberg, doch für Michael Kreskowsky gehört noch etwas anderes dazu: „Man muss Ziele haben und Ergebnisse sehen!“ So kam es, dass er vor einem Benefizkonzert in der Kirche noch schnell fünf Prospektpfeifen der Orgel ausbauen ließ: „Wenn die Leute sehen, dass sich etwas tut, kommen auch die Spenden“. Und wer keinen Zielpunkt festlegt, meint er, „mag Jahrhunderte lang Spenden sammeln und nie fertig werden“. Er selbst hat Glück: Gleich zwei Termine in diesem Jahr spielen ihm die nötigen Spenden in die Hände. Im April jährt sich der kriegsbedingte Ausbau der Zink-Prospektpfeifen zum 100. Mal – pünktlich zum Jubiläum soll die Front des Instruments mit zinnernen Pfeifen instand gesetzt sein. Und nur wenige Wochen später kann der 150. Geburtstag der Göthel-Orgel mit ihrer Wiedereinweihung festlich begangen werden. Zum Fest hat Michael Kreskowsky den bekannten Musiker Matthias Eisenberg eingeladen.

Er ist sicher, dass die instandgesetzte Orgel häufiger erklingen wird als zuvor „und wenn ich selbst in die Tasten greifen muss“, schmunzelt er. Noch in diesem Jahr wird das Instrument auch für Studenten der Musikhochschule Leipzig/Dresden als Übungsinstrument zur Verfügung stehen – und natürlich wieder für Konzerte und Gottesdienste in St. Nikolai.