Jehnlich-Orgel in St. Margaretha zu Oberpöllnitz

Echte Orgelklänge für St. Margaretha in Oberpöllnitz

„Orgel des Monats Mai 2017“

Ein (fast) kreisrundes Schloss – wo gibt es denn sowas? Zum Beispiel in Oberpöllnitz in Ostthüringen. Das eigenwillig geformte Renaissance-Schloss wird gerade im Frühling gern von Touristen und Heiratswilligen bevölkert, es ist aber keineswegs die einzige Sehenswürdigkeit im Ort. Gleich daneben strahlt die jüngst renovierte kleine Dorfkirche St. Margaretha in frischen Farben. Jedes Jahr zum Tag des offenen Denkmals öffnen die nur wenige Meter voneinander entfernten Gebäude ihre Tore und laden gemeinsam ein; zu Führungen, Andachten, Konzerten.

„Das alles würde noch viel mehr Sinn machen, wenn die Kirche eine funktionierende Orgel hätte“, sagt Dieter Fischer. Er muss es wissen: Seit zehn Jahren spielt der ehemalige Verwaltungsbeamte jeden Sonntag in acht der elf zum Pfarramt gehörenden Kirchen ehrenamtlich die Orgel. Auf mehr als 100 Gottesdienste, Trauungen und Trauerfeiern ist er im vergangenen Jahr gekommen. Für St. Margaretha muss er spezielle Register ziehen: Zum Gottesdienst bringt er sein „Sakralkeyboard“ mit, das „einen orgelähnlichen Klang“ erzeugt. Die ursprünglich zur Kirche gehörende Orgel nämlich ist seit Jahrzehnten verstummt. Ihre Windversorgung auf dem Kirchenboden wurde im Zuge der Sanierung des Kirchleins schließlich sogar abgebaut und eingelagert. Doch das soll nicht das letzte Wort oder besser: der letzte Ton bleiben. Ab diesem Sommer wird das Instrument endlich aus der Schmuddelecke geholt, instandgesetzt und herausgeputzt werden. Für Gottesdienste, Konzerte und auch für den Tag des offenen Denkmals. „Der Orgelbauer steht schon bereit“, sagt Dieter Fischer.

Kümmern wird der Fachmann sich um ein Instrument, das in weiten Teilen 115 Jahre alt ist. Die „Orgel des Monats Mai“ wurde im Jahr 1902 von dem fürstlich-reussischen Hoforgelbauer Carl-Friedrich Zillgitt aus Gera erbaut. „Er hat schon damals pneumatische Orgeln gefertigt“, weiß Fischer. Bereits 36 Jahre später sei das Instrument aber als „unspielbar eingeschätzt“ worden und musste saniert werden. Das übernahmen Bruno und Emil Jehmlich, die die berühmte Werkstatt der Familie in Dresden in dritter Generation führten. Sie gaben dem Zillgitt-Instrument ein neues Orgelwerk; Gehäuse, Pfeifenwerk und Winderzeugung indes wurden vom alten Instrument übernommen.

Heute erinnert sich kaum jemand in Oberpöllnitz noch an den Klang dieser Orgel, die seit etwa 1980 nicht mehr gespielt wurde. Auch Dieter Fischer kennt nur einen Ton: „Einen Dauerheuler, den habe ich gehört“, sagt er lachend. Der nun vom Gemeindekirchenrat beschlossene erste Sanierungsschritt betrifft die Windversorgung der Orgel, ein neuer Balg mit Motor wird eingepasst. Danach sind der vom Holzwurm zerfressene Spieltisch und das gesamte Pfeifenwerk an der Reihe, „beides sind gute Winterarbeiten, die in der Orgelwerkstatt gemacht werden können“.

Etwa 32.500 Euro sind für die Wiederbelebung des Instruments in St. Margaretha nötig, die Stiftung Orgelklang – deren Mitglied Dieter Fischer ist – stellt 3.000 Euro zur Verfügung. Die Gemeinde steuert Erträge aus dem Verkauf des Pfarrhauses und in den letzten Jahren gesammelte Gelder bei, „außerdem bringen Konzerte des Gospelchors und des Posaunenchors und die Aktionen zum Tag des offenen Denkmals immer wieder Spenden“. Damit das musikalische Angebot in St. Margaretha mit einer instandgesetzten Orgel absehbar fülliger wird, werden Mitglieder der Gemeinde bei der Restaurierung helfen und, wo möglich, selbst Hand anlegen. Dieter Fischer hat sich die Vergoldung des Gehäuses vorgenommen, „auch wenn das viel Zeit erfordern wird“. Einen langen Atem wird man in Oberpöllnitz brauchen, bis zum Herbst des nächsten Jahres, schätzt Fischer, werden die Arbeiten dauern. Doch dann wird er sein Keyboard zu Hause lassen können, und statt „orgelähnlicher“ Töne werden wieder echte Orgelklänge in St. Margaretha zu hören sein. 

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St. Margaretha zu Oberpöllnitz 

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St. Margaretha zu Oberpöllnitz 

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St. Margaretha zu Oberpöllnitz 

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