Schitger-Orgel in St. Johannis Oederquart

Wie eine schlafende Königin geweckt wird

„Orgel des Monats Februar“ im niedersächsischen Oederquart

Sein Name bringt Viele ins Schwärmen. Arp Schnitger (1648 - 1719) war eine Ikone unter den Orgelbauern. Seine Instrumente zeugen von seiner außergewöhnlich hohen Kunstfertigkeit und begeistern durch ihren besonderen, vollen Klang. Schon Johann Sebastian Bach soll von Schnitgers Werken sehr angetan gewesen sein. Zwei heutige „Schnitger-Schwärmer“ sind Martina Janssen und Rowan West. Sie haben dabei insbesondere eines seiner noch erhaltenen Instrumente im Blick und im Ohr: die 1682 geschaffene Barockorgel in der St. Johannis-Kirche im niedersächsischen Oederquart. Martina Janssen ist Pfarrerin in dem Dorf, das sie „klein, aber sehr fein“ nennt; Rowan West, dessen Name nach Kalifornien klingt und der tatsächlich aus Sydney/Australien stammt, ist für die Restauration der Oederquarter Schnitger-Orgel zuständig.

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St. Johannis Oederquart 

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Für den Orgelbauer geht damit ein Lebenstraum in Erfüllung. Schon als Schüler hatte er – damals noch im fernen Sydney - Schallplattenaufnahmen von Schnitger-Instrumenten gehört und sich sehnlichst gewünscht, wenigstens eine dieser Orgeln einmal im Original zu sehen. „Dass ich einige davon später sogar restaurieren würde, wäre mir nie in den Sinn gekommen, das war einfach eine Nummer zu groß“, sagt West. Doch seine beharrlichen Annährungsversuche führten ihn mit einem Stipendium fort aus der Heimat nach Deutschland, wo er eine Lehre und schließlich seine Meisterprüfung absolvierte. West machte sich südlich von Bonn in Altenahr selbständig, und nachdem er 2012 seine erste Schnitger-Orgel in Steinkirchen (Landkreis Stade) saniert hatte, kam 2013 das Instrument aus St. Johannis in seine Werkstatt. Zwei Sanierungsschritte sind inzwischen geschafft, auf Wests Plan stehen nun noch die Restaurierung und Rekonstruktion des Rückpositivs, einer Windlade und der noch fehlenden 13 Register. „Und dann kommt bei weitem das Schwierigste“, sagt der Orgelbauer mit Nachdruck. Er meint die Intonation des Instruments. „Den Schnitger-Klang hinzubekommen ist die schwierigste Aufgabe, die sich einem Orgelbauer im 21. Jahrhundert stellen kann. Dahinter liegen Geheimnisse, Bautechniken, die wir nicht mehr kennen, und hinter die wir jetzt, 300 Jahre später, erst Stück für Stück kommen“.

Während West sich derzeit wie ein Detektiv immer wieder in die Recherche für den großen „Schlussakkord“ seiner Arbeit eintaucht, freut sich Pfarrerin Martina Janssen schon jetzt über die neuen Klänge in ihrer Kirche, die sie „ganz und gar faszinieren“. Nach Ende des zweiten Sanierungsschritts ist die bis dahin „schlafende Königin“ nämlich nach St. Johannis zurückgekehrt und steht für Gottesdienste – zwar noch mit reduzierter Kraft - bereits jetzt zur Verfügung. „Dieser Klang ist so wunderbar weich, da kommen mir manchmal sogar schon jetzt die Tränen“.

Ihre Gemeinde pflegt eine unaufgeregte Gastfreundschaft, berichtet die Pfarrerin. Die Kirche ist von Mai bis Oktober für alle Besucher geöffnet, das volle Gästebuch zeugt davon, wie sehr dieses Angebot angenommen wird. „Die Menschen fühlen sich ihrer Kirche noch unbedingt verbunden. Und wann immer eine Veranstaltung stattfindet, wird St. Johannis selbstverständlich fein geschmückt“. Das gilt auch für die Konzerte und Lesungen, die zugunsten der Orgel stattfinden. Nein, große Aktionen zur Gewinnung von Spenden hat es in Oederquart bislang nicht gegeben, sagt Martina Janssen. „Es gibt Geburtstage oder Goldene Hochzeiten, bei denen für die Orgel gesammelt wird, und ich werde oft angesprochen von Menschen, die ein Benefizkonzert organisieren wollen.“

Natürlich täuscht der Eindruck der Beiläufigkeit, denn am Ende sind es doch rund 620.000 Euro, die die Wiederherstellung der Schnitger-Orgel gekostet haben wird. Aber der finanzielle Kraftakt wird in Oederquart ohne lautes „Hau Ruck!“ geschultert. Nicht zuletzt durch die Unterstützung der Stiftung Orgelklang, die der Gemeinde – eine Projektspende inklusive – 22.000 Euro zur Verfügung stellt.