Opitz-Orgel in der Dorfkirche Heyersdorf

Eine Investition für die Zukunft

Die „Orgel des Monats Oktober 2017“ in Heyersdorf

Christian Reinhold macht keine halben Sachen. Viele Orgeln hat der 60-jährige Orgelbauer aus Bernsdorf in Sachsen im Laufe seines Berufslebens saniert und instandgesetzt, im Osten wie im Westen, immer war er mit Herzblut dabei. „Man geht eben eine gewisse Beziehung ein“, meint er, und dass jedes Instrument ihm zum Ende der Restaurierungszeit vorkommt „wie ein Kind, das man in die Freiheit entlässt“. Pathetisch klingt der Orgelbauer dabei nicht: „Natürlich hoffe ich dann, dass ich nie wieder von ihm höre“, setzt er augenzwinkernd hinzu.

Auch mit seinem derzeitigen Schützling, der „Orgel des Monats Oktober 2017“ in der Kirche in Heyersdorf, fühlt sich Christian Reinhold eng verbunden. „Sie ist genau 99 Jahre älter als ich“, schmunzelt er. Ihr Schöpfer, Christoph Opitz, kam aus dem thüringischen Dobra; er baute von 1844 an 33 Orgeln, die meisten davon verblieben in der Region. 1885 nahm Opitz sich das Leben; „er war schwermütig“, weiß Christian Reinhold.

Die Orgel in Heyersdorf ist bis heute fast unverändert in dem Zustand verblieben, in dem sie 1858 die Opitz‘sche Werkstatt verlassen hatte. „Die Bauern in der Gemeinde waren sparsam“, berichtet Christian Reinold, „und das ist ein Glück!“ Anders als Instrumente, die in größeren Kirchen und Städten für prominentere Musiker immer dem Zeitgeschmack angepasst oder „verbessert“ worden sind, blieb die originale Substanz der hiesigen Orgel erhalten.

Doch spätestens nach der Sanierung der Heyersdorfer Dorfkirche war es Zeit, die Orgel instand zu setzen. Nachdem das gesamte Innere des Instruments gereinigt und auf Holzwurm nachbehandelt wurde, die Metallpfeifen und die Windladen repariert wurden, ist Christian Reinhold nun mit dem technischen Wiederaufbau der Orgel beschäftigt. Die Arbeiten laufen nach Plan: Am 11. November soll die große Wiedereinweihung in der Kirche stattfinden.

Christian Reinhold ist zuversichtlich, dass dieser Termin gehalten werden kann. 30 Jahre arbeitet er nun schon als Orgelbauer, und er hat Routine genug, um Zeitpläne so zu gestalten, dass sie funktionieren. Während er in seiner Werkstatt am Instrument beschäftigt ist, läuft Orgelmusik im Hintergrund; Reinhold hat seine Berufung gefunden. Trotzdem ist er weit entfernt davon, sich „einzuigeln“: Gelernt hat der Sachse in Hannover und in Bautzen. Mehr als zehn Orgeln hat er in der Umgebung von Hannover restauriert und umgestaltet. Den Auftakt machte die Orgel der ehemaligen Partnergemeinde Fuhlen bei Hessisch Oldendorf. Christian Reinhold bedauert, dass solche Verbindungen zwischen den Gemeinden im ehemaligen Osten und Westen nach und nach verschwinden. „Eigentlich müssten wir mehr miteinander reden und uns neuen gemeinsamen Aufgaben zuwenden“.

Dass die Opitz-Orgel bald wieder schön klingen wird, ist natürlich nicht nur das Verdienst des Orgelbauers. Seit die Dorfkirche wieder in Schuss ist, legt sich die Gemeinde für die Orgel ins Zeug: Es werden Konzerte aufgeführt, deren Erlöse der Orgel zugutekommen; engagierte Heyersdorferinnen bieten nach Gottesdiensten oder Konzerten Kaffee, Kuchen - und für andere Geschmäcker Wurst aus Hausschlachtung an- auch die dadurch eingenommenen Spenden wandern in den Sanierungstopf.

Mit 2.500 Euro fördert die Stiftung Orgelklang das Projekt, das insgesamt rund 34.000 Euro kosten wird. Das ist viel Geld für eine kleine Gemeinde, weiß Christian Reinhold. „Aber Orgeln waren zu allen Zeiten teuer“, betont er, „auch für unsere Vorfahren war das eine große Investition, und trotzdem haben sie eine Orgel für die Gemeinde angeschafft. Da sollten wir doch wohl in der Lage sein, dieses Erbe zu erhalten!“

Kirche%20Heyersdorf

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