Georgi Schleifladenorgel von 1818 in der Dorfkirche Arnsgereuth
Georgi Schleifladenorgel von 1818 in der Dorfkirche Arnsgereuth

Historisches Instrument mit prominenten Unterstützern

„Orgel des Monats Oktober 2018“ in Arnsgereuth

Vier, zehn und 19 sind die Kennzahlen von Pfarrer Heiko Rau: Vier Gemeinden hat er zu betreuen, zehn Kirchen und 19 Dörfer. Allesamt im Thüringer Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, südlich von Weimar. Seit mehr als 13 Jahren versieht er seinen Dienst in der Region, und er tut es gern. „Ich habe mir auf die Fahnen geschrieben, alle Kirchen zu nutzen“, sagt er, und das klingt überzeugt, nicht verbissen. Klar ist für ihn auch, dass zu der Aufgabe, der er sich stellt, selbstverständlich die jeweiligen Orgeln gehören. Das gilt auch für das Instrument in Arnsgereuth, einem Ortsteil von Saalfeld: Nachdem die Kirche vor einigen Jahren saniert wurde, ist nun die beinahe ebenso alte Orgel aus dem Jahr 1818 an der Reihe.

Gefertigt von Johann Michael Georgi, einem Orgelbauer aus dem benachbarten Unterwirbach, ist die spätbarocke mechanische Schleifladenorgel noch in originalem Zustand. Sogar die Prospektpfeifen, die bei fast allen deutschen Schwesterinstrumenten im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken eingeschmolzen wurden, stammen noch aus der Werkstatt von Georgi. Die dringend erforderlichen Sanierungsarbeiten umfassen die Spielanlage, die Traktur, das Pfeifenwerk und den schlichten, barocken Prospekt; ein neuer Zimbelstern wird das I-Tüpfelchen der Wiederherstellung sein. Die Kosten für die Rundum-Kur werden sich am Ende auf knapp 40.000 Euro belaufen; die Stiftung Orgelklang gibt in diesem Jahr 4.000 Euro für ihre „Orgel des Monats Oktober 2018“ dazu.

Dorfkirche%20Arnsgereuth

Dorfkirche Arnsgereuth 

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Ein prominenter Unterstützer der Arnsgereuther ist der Organist des Leipziger Gewandhauses, Michael Schönheit, dessen Vater Kantor in Saalfeld war. Er fördert die Sanierungen von Kirchen und Orgeln in umliegenden Dörfern mit Benefizkonzerten; „Mensch, ihr müsst etwas tun!“, habe Schönheit seine Bekannten in Arnsgereuth ermuntert, erinnert sich Heiko Rau. „Damit hat er hier den Stein ins Rollen gebracht“. Das war vor rund 14 Jahren. Drei bis fünf Konzerte, deren Erlöse der Georgi-Orgel zugute kamen, wurden in der Kirche seitdem gegeben – jedes Jahr. „Eine hiesige, sehr musikalische Familie hat immer wieder Freunde und Bekannte eingeladen, in Arnsgereuth zu spielen. So kamen wir in den Genuss sehr vieler unterschiedlicher Konzerte, und einer stattlichen Summe an Spenden“, berichtet der Pfarrer. Eine wichtige Stütze dabei war auch Mathias Grünert, der Kantor der Frauenkirche in Dresden, der oft an einem Wochenende mehrere Konzerte in den Kirchen der Region gegeben hat. Heiko Rau ist überzeugt, dass gerade die Orgelkonzerte eine besondere Rolle für die Spendenbereitschaft spielen: „Es war gut, dass die Orgel immer wieder im Mittelpunkt stand“.

Gern hätten der Pfarrer und seine Mitstreiter in Arnsgereuth die Georgi-Orgel noch in diesem Jahr ihres 200. Geburtstags wieder in Betrieb genommen. Der Einbau des Instruments hat tatsächlich schon begonnen, doch ganz fertig werden die Sanierer wohl nicht mehr: „Wir befinden uns hier auf fast 600 Höhenmetern, da ist es schon im November zu kalt für die Intonation und Stimmung“, weiß Heiko Rau. Wieder klingt er gelassen. Das ist verständlich, denn die Unterstützung für Arnsgereuth wird nicht versiegen: Zu Weihnachten wird der Posaunenchor einspringen, das Januarkonzert mit Mathias Grünert ist verschoben, und Gewandhausorganist Michael Schönheit hat schon signalisiert, dass er bei der Wiedereinweihung der Orgel auch im Frühjahr kommenden Jahres mitspielen wird.