Gerhardt-Orgel von 1820 in St. Peter und Paul zu Großobringen (Thüringen)
Gerhardt-Orgel von 1820 in St. Peter und Paul zu Großobringen (Thüringen)

Neuer Klang zum 200. Geburtstag

„Orgel des Monats Oktober 2019“ in Großobringen

„Bei meinem zweiten Gottesdienst am Heiligen Abend hier in Großobringen dachte ich wirklich, der Organist hätte sich verspielt“, berichtet Sabine Hertzsch. Dieser Eindruck ist fast zehn Jahre her – inzwischen weiß die Pfarrerin, dass schlicht das Alter der bald 200-jährigen Orgel Grund war für so manchen schrägen Ton in der Großobringer Kirche St. Peter und Paul. Doch Besserung ist in Sicht: Die Sanierung des Instruments mit dem schönen Barockprospekt ist in vollem Gang, unterstützt mit 4.000 Euro auch von der Stiftung Orgelklang. 

Johann Christian Adam Gerhardt erbaute die zweimanualige Orgel für die Kirche im Weimarer Land, ein Handwerker mit vielen Namen und viel Sachverstand: Noch heute schwärmen die Experten über Qualität und Klangvielfalt des reich disponierten Instruments. Johann Christian Adam konnte aus dem Know-How seines Vaters und Großvaters schöpfen, die ebenfalls Orgelbauer gewesen waren. Als viertes von 14 Kindern geboren, war er der erste, der den Familienberuf erlernte (später folgte sein Bruder Johann Ernst Gottfried); mit seinem Tod im Jahr 1837 starb auch das Familienunternehmen im Ostthüringischen aus. 

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Gerhardt-Orgel in St. Peter und Paul Großobringen 

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Gerhardt-Orgel in St. Peter und Paul Großobringen 

 

 

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„Im Augenblick ist das Pedal an der Reihe“, sagt Sabine Hertzsch, „das befindet sich in der Werkstatt in Saalfeld und wird nach der Restaurierung wieder zurückgebracht – so, wie es auch schon mit den Pfeifen geschehen ist“. Das Pedal ist das letzte Puzzlestück der umfassenden Wiederherstellungsmaßnahmen, die am Ende rund 85.000 Euro gekostet und dem Instrument zu alter Klangfülle verholfen haben werden. Die abschließende Intonation der Gerhardt-Orgel kann witterungsbedingt erst im Frühjahr erfolgen – pünktlich zum 200-jährigen Geburtstag des Instruments. 

„Wirklich gespannt“ ist Pfarrerin Sabine Hertzsch auf den ungetrübten Klang der Orgel, den sie selbst noch nie vernommen hat. Und weil Vorfreude die schönste Freude sein kann, plant die Theologin nicht eines, sondern gleich mehrere Highlights zum Willkommen des neuen alten Instruments. „Es gibt natürlich zuerst die klassische Orgelweihe mit Gottesdienst und Konzert“, versichert sie, „aber dann wird es mit schönen Konzerten noch weitergehen“. Überhaupt soll die Gerhardt-Orgel künftig häufiger konzertant eingesetzt werden und Musikliebhaber aus dem nahen Weimar nach Großobringen locken. Den Bus von Weimar könnten im Übrigen auch Studierende der Musikhochschule nehmen, wenn sie das instandgesetzte Instrument zum Üben nutzen. Sollten also bisweilen noch schräge Töne in St. Peter und Paul zu hören sein, liegt es jedenfalls nicht an der Orgel.