Heerwagen-Orgel (1872) in der Dorfkirche Langenaue
Heerwagen-Orgel (1872) in der Dorfkirche Langenaue

Schnelle Instandsetzung eines „echten Glanzpunktes“

„Orgel des Monats August2026 “ in Langenaue

Nein, Langenaue ist wahrlich nicht gewöhnlich. Aufwarten kann die Kirchengemeinde in Sachsen-Anhalt, zu der die Orte Aue und Aylsdorf gehören, zum Beispiel mit einem Urenkel von Martin Luther. David Ernst Teubner war dort Ende des 17. Jahrhunderts als Pfarrer tätig und sein Grabstein findet sich auf dem Friedhof. Und rund ein Jahrhundert später erblickte Johann Traugott Weise in Langenaue das Licht der Welt. Weise sollte der Wegbereiter der Sonderpädagogik in Deutschland werden und wirkte als erster Hilfsschullehrer in Zeitz (zu dem Aue und Aylsdorf gehören); bis heute erinnert eine nach ihm benannte Schule an ihn.

Stolz können die Langenauer außerdem auf ihre hübsche Kirche romanischen Ursprungs sein, die den Dreißigjährigen Krieg größtenteils unbeschadet überstand. Mit im Stil des ländlichen Barock bemalter Holzbalkendecke und einem zeremonientauglichen langen Gang ist sie ein gefragter Ort für Gottesdienste, Ausstellungen, Konzerte - und eben Hochzeitsfeiern. „Der Punkt auf das I“ dieser ganzen Pracht ist die frisch renovierte Orgel in der Kirche, sagt Sieghard Burggraf. Schon optisch sei das Instrument, dessen Prospektpfeifen aus Zink nun mit Bronze überarbeitet und neu lackiert sind, ein „echter Glanzpunkt“, schwärmt der 63-Jährige, der dem Gemeindekirchenrat in Thießen-Langenaue angehört und die jüngst beendeten Sanierungsarbeiten an der Orgel betreut hat. 

Dorfkirche Zeitz-Aue-Aylsdorf

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Dorfkirche Zeitz-Aue-Aylsdorf

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Das von Wilhelm Heerwagen im Jahr 1872 gefertigte Instrument war ein handwerklich solides Werk, dessen Dasein in Langenaue keinesfalls beschaulich zu nennen ist. „Im Jahr 1908 wurde die Orgel von der Nord- auf die Südempore verfrachtet“, weiß Sieghard Burggraf, „dort in der Ecke hatte sie nicht genügend Platz und war nur noch von einer Seite her zugänglich“. Diese eingeschränkte Zugänglichkeit führte dazu, dass das Instrument jahrelang nicht richtig gepflegt und erst recht „nicht grundhaft saniert“ wurde; Wasserschäden kamen hinzu, Putz von der Decke rieselte ins Orgelinnere. „Irgendwann verstummte sie ganz“, sagt Burggraf, der in Langenaue aufgewachsen ist und sich an dieses lange Schweigen erinnert. In den 90er Jahren sei das Instrument nach einer „Notreparatur“ zumindest teilweise wieder spielbar gewesen. Nachdem die Kirche in den Coronajahren schließlich ein neues Dach erhalten hatte, war die Voraussetzung für eine ausführlichere Zuwendung zur Orgel geschaffen. 

Das Instrument musste vollständig ausgebaut und gereinigt werden, die Pfeifen aus Metall und Holz wurden aufgearbeitet, Spieltisch und Windladen renoviert. „Die Holzteile konnten im Wesentlichen original erhalten werden“. Der in den 80er Jahren zurückgebaute Schornstein wurde als Luftzufuhr für die Orgel umfunktioniert, einige Pfeifen wurden so umgesetzt, dass das Instrument künftig einfacher zu warten ist. Mit vier Fachleuten sei die Firma „leistungsfähig und schnell“ gewesen: Im September vergangenen Jahres hatten die Arbeiten mit dem Ausbau der Orgel begonnen, zu Himmelfahrt war der knapp 100.000 Euro teure Sanierungstrubel schon wieder vorbei. Die Stiftung Orgelklang hat das Projekt mit 5.000 Euro gefördert.

Sieghard Burggraf hat die „neue alte“ Heerwagen-Orgel bei der Abnahme schon einmal gehört; das offizielle Einweihungsfest soll mit einem Gottesdienst Ende August stattfinden. Eingeladen dazu werden insbesondere die vielen Spenderinnen und Spender, die die Instandsetzung möglich gemacht haben. „Die Spenden kamen größtenteils aus dem Ort und der Kirchenkreis hat uns sehr unterstützt, indem er die Spendensumme verdoppelte“, lobt der Orgel-Zuständige. Nun gibt es zwar noch ein kleines Defizit in der Kasse, doch das, hofft Burggraf, wird sich im Laufe des Jahres verringern. Die intakte Orgel kann nun wieder mehr in Konzerten eingesetzt werden. Und spätestens beim Adventskonzert sind auch die Schülerinnen und Schüler der Traugott-Weise-Schule dabei.