Remler-Orgel von 1887 in der Dorfkirche Parstein (Brandenburg)
Remler-Orgel von 1887 in der Dorfkirche Parstein (Brandenburg)

Hoffnung auf „spannende musikalische Erlebnisse“

„Orgel des Monats Juli 2021“ in Parstein

Er soll vom König persönlich angesprochen worden sein. Wilhelm Remler hatte Glück: Gleich sein erstes Werk konnte der junge Berliner Orgelbauer in der Königlichen Akademie der Künste ausstellen. 1851 war das, die Orgel war für eine Missionsstation in Indien bestimmt und Friedrich Wilhelm IV. muss Gefallen daran gefunden haben. Ob daraus ein Vorteil für Remler erwuchs, ist nicht bekannt. Fest steht, dass der in Lübben im Spreewald geborene Sohn eines Schusters, der erst das Tischlerhandwerk erlernte und dann den Orgelbau, zu einem geschätzten Berliner Orgelbauer avancierte. In seiner Werkstatt in der Kochstraße 25 schuf er – später gemeinsam mit seinem Sohn –mehr als 50 mechanische Schleifladenwerke.

Sechs Jahre nach seinem Erstlingswerk erbaute Remler 1887 eine zweimanualige Orgel für die Dorfkirche im brandenburgischen Parstein. Die dortige Kirche war zuvor vollständig ausgebrannt, der Innenraum wurde daraufhin einheitlich neogotisch gestaltet und die Orgel in dieses Konzept eingepasst. Lange Jahre tat das solide Instrument in der Dorfkirche seinen Dienst, bis vor rund 30 Jahren die Windlade durch einen Wassereinbruch derart Schaden nahm, dass die Orgel fortan nicht mehr gespielt werden konnte. 
 

Dorfkirche Parstein, W. Remmler und Sohn (1887)

Dorfkirche Parstein, W. Remmler und Sohn (1887)

Dorfkirche Parstein, W. Remmler und Sohn (1887)

Dorfkirche Parstein, W. Remmler und Sohn (1887)

Dorfkirche Parstein, W. Remmler und Sohn (1887)

Dorfkirche Parstein, W. Remmler und Sohn (1887)

Dorfkirche Parstein, W. Remmler und Sohn (1887)

Dorfkirche Parstein, W. Remmler und Sohn (1887)

Dorfkirche Parstein, W. Remmler und Sohn (1887)

Dorfkirche Parstein, W. Remmler und Sohn (1887)

Dorfkirche Parstein, W. Remmler und Sohn (1887)

Dorfkirche Parstein, W. Remmler und Sohn (1887)

Dorfkirche Parstein, W. Remmler und Sohn (1887)

Dorfkirche Parstein, W. Remmler und Sohn (1887)

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Keine Frage: Dieser Zustand soll nicht noch länger andauern. Nachdem die Gemeinde Lunow, zu der Parstein gehört, in den vergangenen 30 Jahren alle fünf Kirchen und auch schon drei Orgeln hat restaurieren lassen, ist klar, dass nun die noch zwei fehlenden Instrumente an der Reihe sind. 67.000 Euro, so die Kalkulation der Verantwortlichen, wird die vollständige Sanierung der Remler-Orgel kosten in Parstein. Die Stiftung Orgelklang fördert die Maßnahmen, eine Projektspende inklusive, mit 5.000 Euro.

Bei der Gewinnung von Fördergeldern haben der zuständige Pfarrer Thomas Berg und seine Mitstreiter inzwischen Übung. Ganz gezielt wollen sie diejenigen Gemeindemitglieder anschreiben, die sich schon bei den vorausgegangenen Sanierungsprojekten großzügig gezeigt haben. Auch vom regionalen Förderverein erhofft der Pfarrer eine größere Summe. „Das hilft uns weiter als der Erlös aus einem Basar.“

Und ist es diese Kraftakte wirklich wert? Nach gut drei Jahrzehnten, so könnte man meinen, mag sich eine Gemeinde an den orgeltonlosen Zustand in ihrer Kirche gewöhnt haben. Doch weit gefehlt! Gleich drei Gründe für die Wiederherstellung des Instruments fallen allein Thomas Berg ein: Zuallererst ist es dem Theologen wichtig, „dass Kirchen und Orgeln auch genutzt werden“. Zweitens und drittens spielt die Musik in der Gemeinde eine besondere Rolle: „Nach der Sanierung der ersten Orgeln in Lunow und Lüdersdorf haben wir wieder mit Konzertreihen begonnen – da könnte die Remler-Orgel, die die einzige mit zwei Manualen ist, die Palette der möglichen Veranstaltungen erweitern.“ Ganz konkret würde das sanierte Instrument in Parstein schließlich das Jazzfestival bereichern, das der dort lebende Pianist Johannes Kersthold seit 2014 organisiert, meint Thomas Berg. „Da sind spannende musikalische Erlebnisse zu erwarten.“