Hammer-Orgel von 1938 in der Dorfkirche Riebau (Sachsen-Anhalt)
Hammer-Orgel von 1938 in der Dorfkirche Riebau (Sachsen-Anhalt)

Restaurierung eines „Heimatgefühls“

„Orgel des Monats Juni 2022“ in Riebau

Das Einhorn hat schon einiges gebracht. 400 Euro, um genau zu sein. Diesen stolzen Preis erzielte ein Ölgemälde des Fabelwesens bei der Kunstauktion „Wagen und Winnen“ in Riebau (Sachsen-Anhalt). Die Käuferin hat das bunte Bild der örtlichen Kindertagesstätte geschenkt, der Erlös kommt der Sanierung der Orgel in der Riebauer Kirche zugute. Vollzogen hat sich diese erfreuliche Aktion im Schweinestall auf dem Hof von Peter Lahmann. Zusammen mit seiner Frau hat der gebürtige Riebauer den Stall zur Galerie umgebaut, jedes Jahr im September heißt es dort „Wagen und Winnen“. Peter Lahmann, Mitglied des Gemeindekirchenrates, findet in der Orgel „ein Stück Heimatgefühl“: „Ich habe sie schon als Kind gehört. Besonders an Heiligabend, wenn wir das Krippenspiel aufgeführt hatten und danach die Orgel ‚O du fröhliche‘ spielte, das war der absolute Höhepunkt!“.

Wie Lahmann empfinden viele Menschen in Riebau; auch mit Benefizkonzerten und beim „Kulturellen Dorffrühstück“ werden Spenden gesammelt für die restaurierungsbedürftige „Orgel des Monats Juni 2022“. Das 1938 von Emil Hammer erbaute Instrument, an dem noch die Tochter der Lahmanns spielen konnte, ist auf der niedrigen Empore „über Eck“ gebaut. Zehn Pfeifen des Prospekts weisen nach vorn, zehn zur Mitte hin. Theoretisch hat die Orgel einen „wunderschönen Klang“, beteuert Peter Lahmann; tatsächlich ist sie seit etwa 15 Jahren verstummt: „Der Blasebalg ging kaputt“. Wasser drang in das Instrument, Schmutz und Holzwürmer ließen sich nieder. Ein Gutachten ergab, dass rund 80.000 Euro für die Instandsetzung notwendig sein werden. Die Stiftung Orgelklang fördert das Projekt mit 5.000 Euro.

Dorfkirche Riebau

Dorfkirche Riebau 

Dorfkirche Riebau

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Die Sanierung, die „hoffentlich Ende des Jahres“ beginnt, übernimmt die Hannoversche Firma „E. Hammer“ – tatsächlich noch geführt von einem Nachkommen des Orgelbauers, der das Instrument vor 84 Jahren fertigte. Zu den Aufgaben der Fachleute soll auch die Installation eines Orgelspielautomaten (Orgamat) gehören. Diese „Selbstspieleinrichtung“ wird auf die Tasten des Instruments gesetzt; elektrische Impulse bringen kleine Filzstößel in Bewegung, die wiederum drücken auf die Tasten und erzeugen damit Töne. Die Musikauswahl kann dann am Computer getroffen werden; die Lieder werden über Funk gestartet.

Und warum dieser technische Kunstgriff? „Wir haben hier viele Kurzbesucher“, erklärt Peter Lahmann. Die „Straße der Romanik“, der Radwanderweg „Altmarkrundkurs“ und das „Grüne Band“ – alle führen an der Riebauer Kirche vorbei. Um den Abstecher in das Gotteshaus noch verlockender zu machen, sollen die Gäste künftig auch in den Genuss des Klangs der Hammer-Orgel kommen können.