„Orgel des Monats Juni 2025“ in Trantow
„Orgel des Monats Juni 2025“ in Hemsbach
„Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen“, ließ Johann Wolfgang von Goethe seinen Faust sagen. Diese Worte, so berühmt wie treffend, könnten viele Töchter und Söhne, Enkel und Enkelinnen motiviert haben – darunter vielleicht auch Oskar Walcker (1869-1948). Der Enkel des renommierten Orgelbauers Eberhard Friedrich Walcker übernahm nicht nur die (groß)väterliche Werkstatt in Ludwigsburg, er machte sie zu einer der weltweit größten. Zeitweise standen mehr als 200 Mitarbeiter dort in Lohn und Brot; die Instrumente – es waren mehr als 2000 - gingen zum Beispiel nach München, Hamburg, Stockholm, Barcelona und Guatemala-Stadt.
Ein Exemplar aus der Walckerschen Werkstatt im Werk Steinsfurt fand in der Christuskirche im badischen Hemsbach sein Zuhause. Vor genau 90 Jahren, 1936 also, wurden Kirche und Orgel dort gemeinsam eingeweiht. Das Instrument mit dem schlichten, klar gegliederten Prospekt entsprach in seiner Tonhöhe den Vorstellungen der Orgelbewegung, die sich am Ideal der norddeutschen Orgel der Barock orientierte. „Gleichzeitig blieb es aber auch dem bis dahin gängigen Klang der Spätromantik verbunden“, weiß Birgit Dick. Die Kirchenälteste der Gemeinde ist mit Bach’schen Orgelklängen groß geworden; sie liebt den Klang der Walcker-Orgel und hat sich – Goethes Appell lässt grüßen – in den unlängst gegründeten Orgelausschuss begeben. Mit den übrigen drei Mitgliedern des Ausschusses („wir suchen noch weitere Begeisterte“) hat sie sich vorgenommen, die anstehende Sanierung des Instruments zu organisieren.

Christuskirche Hemsbach

Christuskirche Hemsbach

Christuskirche Hemsbach

Christuskirche Hemsbach

Christuskirche Hemsbach

Christuskirche Hemsbach
Eine „Generalrevision“ nämlich ist nötig, erklärt Birgit Dick, die im Hauptberuf in einer Bank arbeitet und sich „nebenbei“ künftig mit dem Spieltisch, der Elektrik, den Windladen, der Reinigung und Intonation des Walcker-Werkes befassen wird, „damit die Funktionsfähigkeit erhalten bleibt“. Rund 160.000 Euro wird diese Überarbeitung die Gemeinde kosten; die Stiftung Orgelklang unterstützt das Vorhaben mit 3.000 Euro.
Ein Orgelbauer ist schon ausgewählt, berichtet Birgit Dick, man stehe in engem Kontakt. Leider wird er erst im kommenden Jahr mit der Instandsetzung beginnen können („zu wenig Fachkräfte“). Die Kirchenälteste und ihre Mitstreitenden nutzen die Zeit, um Ideen für die Spendensammlung zu entwickeln. Pfeifenpatenschaften stehen ganz oben auf der Liste, auch Benefizkonzerte bieten sich an. Im Gemeindebrief könnte – steter Tropfen erhöht die Spendenwilligkeit – vielleicht sogar mehrfach von der Orgel die Rede sein. Birgit Dick liebäugelt mit einer kleinen Serie von Artikeln, Arbeitstitel „Die Walcker-Orgel erzählt“.
Überhaupt soll das Instrument ein wenig mehr ins Rampenlicht der allgemeinen Aufmerksamkeit rücken. Bei den geplanten Feierlichkeiten zum 90. Jubiläum der Kirche im September wollen die Mitglieder des Orgelausschusses möglichst viele Menschen mit einer Führung hinter die Orgel locken und das Instrument und sein Inneres aus nächster Nähe vorstellen. Wichtig ist neben der Technik natürlich auch der Klang: „Wir wollen dabei auch zeigen, dass eine Orgel nicht nur Choräle kann, sondern auch moderne Musik“, sagt Birgit Dick.
Insbesondere jüngere Menschen werden herzlich willkommen sein – der Organistennachwuchsmangel ist auch im Badischen schmerzlich bekannt; Unterricht wäre auf dem instandgesetzten Walcker-Instrument möglich und gewünscht. (An dieser Stelle wäre dann auch die Goethische Erb-Weisheit wieder passend.) Bleibt zu hoffen, dass genügend junge Menschen dafür ein offenes Ohr haben.