Emporenfund in Gollwitz (Brandenburg): die Wäldner-Orgel von 1869
Emporenfund in Gollwitz (Brandenburg): die Wäldner-Orgel von 1869

Sanierung mit Glückes und Nachbars Hilfe

„Orgel des Monats März 2020“ in Gollwitz

Manchmal läuft einfach alles rund. Christiane Klußmann, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Brandenburg-Ost, kann so viel Glück gar nicht fassen: „Es kommt einfach alles zum richtigen Zeitpunkt zusammen“. Die Euphorie der Theologin bezieht sich auf die gut 150 Jahre alte Orgel in der Dorfkirche Gollwitz, die in diesem Sommer saniert werden soll, und die Begeisterung ist nachvollziehbar: Anfangs sah es keineswegs so aus, als sollte das von Ferdinand August Wäldner erbaute, denkmalgeschützte Instrument je wieder erklingen.

Aber der Reihe nach: Nachdem Christiane Klußmann vor vier Jahren die Verantwortung für die Ortschaften Gollwitz und Wust (zusätzlich zu ihrer vier Kirchen umfassenden Gemeinde) übernommen hatte, entdeckte sie auf der Empore der Gollwitzer Dorfkirche einen mit rotem Tuch verdeckten Stapel - und war entsetzt: Es handelte sich um die willkürlich gestapelten Einzelteile der historischen Wäldner-Orgel. Verdreckt mit Staub und Taubenkot, die unten liegenden Pfeifen vom Gewicht der darüber gestapelten Teile demoliert. „Es hatte wohl in den 1990er Jahren eine Zeit gegeben, in denen es in die Kirche hineinregnete, deshalb war das Instrument zunächst ausgelagert worden. Später hat man es dann auf die Empore zurückgebracht und vergessen“, sagt die Pfarrerin. Zusammen mit vielen Freiwilligen begann sie eine umfassende Reinigungsaktion, die Orgel-Teile wurden zur Begutachtung in die Werkstatt gebracht. Christiane Klußmann lächelt: „Manchmal ist so ein Wechsel eben auch eine Chance und man kann die Leute aufrütteln. Aber dass jetzt alles auf so gutem Wege ist, liegt auf keinen Fall nur an mir!“
 

Dorfkirche%20Gollwitz

Dorfkirche Gollwitz 

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Dorfkirche Gollwitz 

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Dorfkirche Gollwitz 

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Dorfkirche Gollwitz 

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Dorfkirche Gollwitz 

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Die Wiederentdeckung der Orgel schlug hohe Wellen. Nicht nur in Gollwitz erwachte das Interesse: Nachdem die Presse berichtet hatte, meldete sich auch ein Ur-Ur-Enkel des Erbauers. Der Historiker konnte das bisher unbekannte Entstehungsjahr des Instruments benennen: 1869 hatte sein Ur-Ur-Großvater die Orgel in seiner Hallenser Werkstatt von Hand gefertigt. „Ein schönes Bindeglied zwischen dem spätbarock-klassischen und dem frühromantischen Klangideal“, nennt der Orgelsachverständige der Landeskirche das Werk. 

Die Rekonstruktion des Instruments, das war schnell klar, ist deutlich kostengünstiger als die Anschaffung einer neuen Orgel. Trotzdem werden knapp 80.000 Euro nötig sein – eine Summe, die die rund 70 Gollwitzer Gemeindeglieder unmöglich allein hätten aufbringen können. Aber sie waren nicht allein: „Im Nachbardorf Wust gibt es einen aktiven Kulturverein – die Mitglieder haben Energie, die wollen etwas erreichen, und das klappt dann auch“, sagt Christiane Klußmann. Ein Glück, wer solche Nachbarn hat: Die Wuster veranstalteten ein Benefizkonzert, gingen mit der Spendenbüchse von Haus zu Haus. Außerdem fanden sich viele Unterstützer, die noch mehr geben konnten – so wie die Stiftung Orgelklang, die die Sanierung ihrer „Orgel des Monats März“ in Gollwitz mit 4.000 Euro fördert. „Nun sieht es so aus, als könnte das Instrument im Herbst sogar auf der ebenfalls sanierten Empore aufgebaut werden“, hofft die Pfarrerin. 

Und ein weiterer Glücksfall kommt hinzu: Eine andere Orgel aus der Hand von Ferdinand August Wäldner, die der Gemeinde im rund zehn Kilometer entfernten Ort Lünow gehört, wird dort nicht mehr benötigt; man hat sie den Gollwitzern überlassen. Und die freuen sich: „Jetzt haben wir ein ganzes Depot von originalen Teilen, die wir mit verbauen können, zum Beispiel die Metallpfeifen.“ 

Last but not least hat Christiane Klußmann auch die benachbarte Begegnungsstätte Schloss Gollwitz mit ins Boot geholt, damit Kirche und Orgel nach der Sanierung noch mehr Menschen von Nutzen sein können. Viele Gruppen – Familienfreizeiten, Chorrüste oder Jugendreisen – die auf Schloss Gollwitz tagen, halten Andachten in der Kirche oder nutzen sie für Konzerte und Proben. Über diese Perspektive ist die Pfarrerin sehr froh: „Es gibt nichts Schlimmeres, als eine Orgel, die nicht gespielt wird!“