Böttcher-Orgel von 1865 in der Klosterkirche Diesdorf (Sachsen-Anhalt)
Böttcher-Orgel von 1865 in der Klosterkirche Diesdorf (Sachsen-Anhalt)

Romantische Klänge für romanische Kirche

„Orgel des Monats März 2021“ in Diesdorf

„Erst haben wir gedacht, das ist verrückt“, erinnert sich Pfarrer Ulrich Storck. Der Vorschlag, die sanierungsbedürftige Orgel in der Klosterkirche Diesdorf (Sachsen-Anhalt) auch noch dahingehend bearbeiten zu lassen, dass sie wieder ihren originalen Klang erhält, stieß nicht gleich auf Begeisterung. Doch nicht nur der Umstand, dass mit diesem Vorschlag auch finanzielle Unterstützung verbunden war, ließ die Diesdorfer umdenken: „Unsere Klosterkirche aus dem 12. Jahrhundert hat eine herausragende historische Bedeutung - da passt es schon, auch die Orgel von Grund auf zu sanieren.“ Außerdem weiß der Pfarrer, dass es viele Menschen gibt, die den romantischen Klang des Instruments passender finden für die romanische Kirche als den derzeitigen barocken.

Erbaut wurde die „Orgel des Monats März 2021“ von Carl Böttcher aus Magdeburg in den Jahren 1865-67. Er stattete das Instrument für die Klosterkirche mit den damals typischen dunklen, romantischen Klangfarben aus. Nachdem im Ersten Weltkrieg die Prospektpfeifen aus Zinn abgegeben und durch Zinkpfeifen ersetzt werden mussten, fand in den 1950er-Jahren ein weitreichender klanglicher Umbau statt. „Wie das so ist mit der Mode“, sagt Ulrich Storck, „die Orgel wurde auf Barock getrimmt.“
 

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Klosterkirche Diesdorf, Böttcher-Orgel (1867) 

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Klosterkirche Diesdorf, Böttcher-Orgel (1867) 

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Klosterkirche Diesdorf, Böttcher-Orgel (1867) 

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Klosterkirche Diesdorf, Böttcher-Orgel (1867) 

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Klosterkirche Diesdorf, Böttcher-Orgel (1867) 

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Klosterkirche Diesdorf, Böttcher-Orgel (1867) 

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Klosterkirche Diesdorf, Böttcher-Orgel (1867) 

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Klosterkirche Diesdorf, Böttcher-Orgel (1867) 

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Seit acht Jahren ist der Pfarrer in Diesdorf tätig und kennt auch das Instrument in der Klosterkirche gut. Ein Orgelexperte sei er nicht, meint er, aber: „Wenn die Böttcher-Orgel richtig gut gespielt wird, dann ist das sehr bewegend. Sie versetzt einen in Schwingung“. Im Augenblick allerdings ist das selten der Fall; das Instrument ist nur eingeschränkt einsatzfähig, immer wieder entstehen Pausen, bleiben die Töne stecken. Dringend überarbeitet werden müssen die Windanlage, Tontraktur und Registeranlage, das Pfeifenwerk ist zu reinigen und zu reparieren. Dann kann die klangliche Rekonstruktion der Orgel beginnen. Insgesamt sind dafür rund 139.000 Euro veranschlagt; die Stiftung Orgelklang fördert das Vorhaben mit 5.000 Euro.

Und die Gemeinde? Die finanzielle Unterstützung sei „überraschend und sehr gut gelaufen“, meint Ulrich Storck. „Es sind wirklich viele Spenden gekommen und sie kommen auch weiterhin.“ Vor der Pandemie haben Kirchen- und Dorfchor gemeinsam Benefizkonzerte für die Sanierung gegeben, auch die Kollekte beim „Abendstern“, einem monatlichen, musikalisch-meditativen Gottesdienst, kam der Orgel zugute. Und auch jetzt gibt es noch Ideen: Der Pfarrer hat einen Termin mit der örtlichen Mosterei verabredet. „Es gab in Thüringen eine Aktion: `Wir brennen für unsere Orgel‘, da wurden Whiskey hergestellt und Spenderinnen und Spender konnten sich vorab Anteile reservieren. Vielleicht können wir etwas Ähnliches auf die Beine stellen? Das würde für unseren Ort sehr gut passen, auch zur Klostertradition.“

Im Herbst soll die Sanierung der Böttcher-Orgel beginnen – jedenfalls, wenn es nach Wunsch der Gemeinde geht, denn: Der Orgelbauer wird bald den Ruhestand erreicht haben; einen Nachfolger gibt es nicht. „Er kennt die Orgel seit Jahren und wir hoffen, dass er die technische Sanierung noch übernimmt. Für die klangliche Rückführung ist eine andere Firma angefragt.“ Die Stiftung Orgelklang drückt die Daumen!