Witzmann-Orgel von 1851 in St. Crucis Großenehrich (Thüringen)
Witzmann-Orgel von 1851 in St. Crucis Großenehrich (Thüringen)

Hoffnungen auf eine gut klingende Zukunft

„Orgel des Monats März 2022“ in Großenehrich

In Großenehrich wird gepuzzelt. Im Eingangsbereich der St.-Crucis-Kirche ist ein 2000-Teile-Puzzle aufgestellt, jede Woche kommen Menschen vorbei, die ein oder mehrere Teilchen an den richtigen Platz setzen. Kein Rekordversuch, auch keine Reaktion auf Langeweile zu Corona-Zeiten – das Spiel ist dazu da, um Spenden zu gewinnen für die Sanierung der historischen Orgel. Pro 5 Euro Spende wird ein Teilchen eingesetzt, mit dem das Puzzle-Bild – natürlich ein Foto von dem Instrument – zusehends vollständiger wird. „Die Menschen bekommen einen Eindruck von den finanziellen Dimensionen eines solchen Projekts, sie erhalten gleichzeitig einen Anreiz, sich daran zu beteiligen, und sie sehen natürlich auch den Fortschritt“, erklärt Peggy Hillig von der Gemeindeverwaltung. Rund die Hälfte des Orgel-Puzzles sind inzwischen geschafft. Und wenn alle Puzzleteile und damit 10.000 Euro zusammengebracht sind, „dann kommt die nächste Aktion“, ist Peggy Hillig sicher: „Großenehrich ist eine aktive Gemeinde.“

Rund 45 Kilometer nördlich von Erfurt befindet sich der Ort im thüringischen Kyffhäuserkreis, in dessen Kirche die „Orgel des Monats März 2022“ zu sehen ist. Das Instrument mit dem neugotischen Prospekt erstreckt sich über die gesamte Empore von St. Crucis. Es wurde vor mehr als 170 Jahren (nämlich im Jahr 1851) von August Witzmann aus Stadtilm erbaut; ursprünglich verfügte es über 31 Register und war damit eine der größten Witzmann-Orgeln. Heute hat es noch 24 Register und nur etwa die Hälfte der ursprünglichen Pfeifen sind darin noch vorhanden. Schuld daran sind die Umbauten, die die Orgel im Laufe der Jahre erfahren hat, insbesondere aber ihre Entfernung aus der Kirche, als diese Anfang der 90er Jahre renoviert werden musste. Im Anschluss an die Sanierung ist das Instrument zwar wieder aufgebaut worden, doch das erfolgte nur in kleinen Schritten und teilweise – etwa bei der Windversorgung – behelfsmäßig. Nicht wenige originale Pfeifen lagern noch auf dem Dachboden der Kirche. Derzeit ist die Orgel nur teilweise spielbar, manchmal fällt sie sogar ganz aus. 

St. Crucis Großenehrich

St. Crucis Großenehrich 

St. Crucis Großenehrich

St. Crucis Großenehrich 

St. Crucis Großenehrich

St. Crucis Großenehrich 

St. Crucis Großenehrich

St. Crucis Großenehrich 

St. Crucis Großenehrich

St. Crucis Großenehrich 

St. Crucis Großenehrich

St. Crucis Großenehrich 

St. Crucis Großenehrich

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St. Crucis Großenehrich

St. Crucis Großenehrich 

St. Crucis Großenehrich

St. Crucis Großenehrich 

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Noch in diesem Jahr soll das historische Instrument daher erneut ausgebaut und in die Werkstatt gebracht werden: Reinigung, Tonmechanik und Windladen stehen zunächst auf dem Zettel der Restaurierenden. Etwa 59.000 Euro sind für den ersten Bauabschnitt veranschlagt, den die Stiftung Orgelklang mit 5.000 Euro fördert.

Peggy Hillig ist „neugierig, wie das Instrument klingen kann, wenn es sein volles Potenzial ausschöpft“. Sie hat oft gehört, wie Fachleute von der Orgel schwärmen, und ist sicher, dass sie in saniertem Zustand „ein großes Plus für das Gemeindeleben“ darstellen wird. Zum Beispiel, weil Großenehrich das Zentrum des Pfarrbereichs ist, zu dem insgesamt 13 Dörfer gehören; daher werden die Gottesdienste in St. Crucis auch von den Menschen aus den umliegenden Orten besucht. Vom vollen Orgelklang profitieren wird neben der Liturgie aber auch das konzertante Angebot in der Kirche. „Mit Speck fängt man Mäuse“, sagt Hillig. „Wenn wir hier erst eine qualitativ herausragende Orgel bieten können, dann wird die Gemeinde insgesamt eine ganz andere Zukunft haben.“