Orgel in der Stadtkirche St. Servator (Schlotheim)
Orgel in der Stadtkirche St. Servator (Schlotheim)

Wiederherstellung einer barocken Seltenheit und ihrer Geschichte

„Orgel des Monats November 2018“ in Schlotheim

Viele Jahre lang hat sie ein großes Rätsel aufgegeben, die Orgel in der St. Servator-Kirche in Schlotheim (Thüringen). Weder war das genaue Datum ihres Entstehens bekannt, noch ihr Erbauer. Die Schlotheimer hatten sich an dieses mit der Orgel verbundene Fragezeichen gewöhnt. Erst als das barocke Instrument nur noch mit List und Tücke des erfahrenen Organisten spielbar war und eine Sanierung unausweichlich wurde, trat die alte Frage wieder zutage: Die Denkmalschützer des Landes wollten die Instandsetzung der Orgel, die zweifellos eine der letzten in Thüringen ist, die aus dem 17. Jahrhundert stammt, nur dann befürworten, wenn deren genaue Herkunft geklärt sei.

Also recherchierte man in Schlotheim, allen vorweg Mitglieder des örtlichen Fördervereins im engen Zusammenspiel mit dem Gemeindekirchenrat. „Wir haben wirklich alles Mögliche versucht“, erinnert sich Horst Hensel, der Vorsitzende des Vereins, „und wir hatten Glück!“ Ein Orgel-Experte aus dem benachbarten Bad Langensalza fand heraus, dass das Instrument in St. Servator von den Söhnen des ehemals dort ansässigen Orgelbauers Jost Schäffer um 1680 gefertigt wurde. „Schwarz auf weiß haben wir das nicht“, sagt Hensel, der mit einigen Mitstreitern sogar ins 50 Kilometer entfernte Eschwege gefahren ist, um dort vergleichbare Instrumente der Schäffer-Söhne zu begutachten. Aber die Denkmalschutzbehörde ist zufriedener“.

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Stadtkirche St. Servator Schlotheim 

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Stadtkirche St. Servator Schlotheim 

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Stadtkirche St. Servator Schlotheim 

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Stadtkirche St. Servator Schlotheim 

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Stadtkirche St. Servator Schlotheim 

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Stadtkirche St. Servator Schlotheim 

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Stadtkirche St. Servator Schlotheim 

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Zufrieden sind auch Horst Hensel und seine Mitstreiter im Förderverein. Der seit 2003 bestehende Verein wird von dem zwischenzeitlich im Ruhestand gelandeten Bauingenieur geleitet. Nachdem in den vergangenen Jahren die Kirche saniert wurde, steht nunmehr die Orgel zur Restaurierung an. Im Frühjahr, hoffen die Orgelförderer, können die Arbeiten beginnen. Nach der Devise „immer positiv nach vorn denken“ wird auch die Instandsetzung des Instruments Schritt für Schritt von statten gehen, das die Stiftung Orgelklang als „Orgel des Monats November 2018“ würdigt: Im ersten Bauabschnitt wird das Instrument rückgebaut und zerlegt, „dann haben wir eine klare Ausgangsposition für alles Weitere“, sagt Hensel. Als zweites geht es an die Rundum-Erneuerung des Hauptwerks. Und läuft es nach den Vorstellungen der Denkmalschützer, folgt dann als dritter Schritt die Wiederherstellung des Rückpositivs. Dieses besondere Merkmal der historischen Orgel war in den 1920er Jahren durch Veränderungen am Langschiff der Kirche entfernt worden.

Die Stiftung Orgelklang wird die Arbeiten mit 6.000 Euro fördern; insgesamt werden rund 190.000 Euro  für die ersten beiden, und etwa 90.000 Euro notwendig. „Das ist schon eine Hausnummer“, sagt Horst Hensel. Aber als erfahrener Förderer lässt er sich nicht so schnell ins Bockshorn jagen: „Wir werden das gemeinsam mit unseren Mitgliedern, der Kirchgemeinde, den Sponsoren und uns gutgesinnten Mitstreitern schon stemmen. Da müssen wir schlicht hausieren gehen und Klinken putzen“. Auch größere Veranstaltungen wie beispielsweise Konzerte oder ein Markt auf dem Kirchengelände sind angedacht, „das müssen wir weiter ausbauen“.