Heise-Orgel von 1846 in der Dorfkirche Wust (Brandenburg)
Heise-Orgel von 1846 in der Dorfkirche Wust (Brandenburg)

Das glückliche Ende einer Orgel-Odyssee

„Orgel des Monats November 2022“ in Wust

Dass nicht nur Haustürschlüssel oder Handy, sondern auch eine ganze Orgel verloren gehen kann, zeigt die außergewöhnliche Geschichte um die „Orgel des Monats November 2022“ der Dorfkirche in Wust, einem Ortsteil der Stadt Brandenburg an der Havel. Erst durch das unermüdliche Engagement der damaligen Pfarrerin und örtlicher Ehrenamtlicher konnte das aus dem 19. Jahrhundert stammende Instrument, das 1973 aus der Kirche entfernt worden war, vor Kurzem wieder aufgespürt werden. Die Stiftung Orgelklang fördert den Wiederaufbau und die Sanierung der zurückgekehrten „Königin“, eine Projektspende inklusive, mit 7.500 Euro.

Höchstens eine Handvoll Mitglieder der kleinen Wuster Kirchengemeinde haben den Klang des 1846 durch Gottlieb Heise erbauten und 1881 von Carl Eduard Gesell (beide Potsdam) in die Kirche eingepassten Instruments noch im Ohr. Denn als das Gotteshaus in den 1960er Jahren zusehends verfiel, beschloss der Gemeindekirchenrat schweren Herzens den Abriss des Gebäudes und die Auslagerung des Inventars. Zunächst erwarb der Musikinstrumentensammler Berol Kaiser-Reka die Orgel für 200 DDR-Mark. Er plante die Eröffnung eines Museums; mit seinem neogotischen Prospekt wäre das Wuster Instrument sicherlich ein Schmuckstück der Sammlung geworden. Die Ausstellung wurde jedoch nie realisiert und die Spur der Orgel verlor sich.

Dorfkirche Wust

Dorfkirche Wust 

Dorfkirche Wust

Dorfkirche Wust 

Dorfkirche Wust

Dorfkirche Wust 

Dorfkirche Wust

Dorfkirche Wust 

Dorfkirche Wust

Dorfkirche Wust 

Dorfkirche Wust

Dorfkirche Wust 

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Erst Anfang des neuen Jahrtausends, als die Kirchruine in Wust umfassend saniert wurde, entschieden einige engagierte Bürgerinnen und Bürger, sich als Kulturverein „kulturWust e. V.“ auf die Suche nach dem originalen musikalischen Herzstück des Gotteshauses zu begeben. Und tatsächlich machten sie die Orgel schließlich ausfindig – im Magazin der Viadrina-Universität Frankfurt/Oder. Ihre Einzelteile befanden sich, durchmischt mit Teilen anderer Orgeln, in NVA-Munitionskisten. Mit der Rückführung nach Wust 2020 nahm die Aussicht auf ein Wiedererklingen des alten Instruments konkrete Züge an. „Die Kirche gehört als wichtiger Bezugspunkt einfach ins Dorf – und damit auch ihre Ausstattung“, erklärt Carola Brüggemann, Mitglied des örtlichen Gemeindekirchenrates sowie von „kulturWust“, den außergewöhnlichen Einsatz für das Instrument. 

Im kommenden Jahr sollen die Bauteile der Heimkehrerin saniert, fehlende Pfeifen ersetzt und die Orgel schließlich nach altem Vorbild zusammengesetzt werden. Ob die Zuwendungen in Ansehung der allgemeinen Preissteigerungen ausreichen werden, ist noch nicht ganz klar. Erwartet werden Kosten in Höhe von rund 115.000 Euro. In der Kirchengemeinde ist man dennoch optimistisch: „kulturWust“ konnte bereits Spenden in Höhe von 10.000 Euro an Eigenmitteln sammeln.

Zum Einsatz kommen soll die Orgel dann natürlich in den Gottesdiensten, aber auch als Übungsinstrument für den Orgelkurs des kirchenmusikalischen Ausbildungszentrums in Brandenburg. Zudem wird sie für die Konzerte des örtlichen Kulturvereins genutzt werden, die schon heute häufig von kurzen Andachten umrahmt werden. Carola Brüggemann: „Wir gehen hier viele neue Wege, um wieder mehr Menschen in unsere Kirche zu bringen“. Welch erfreuliche Aussichten nach der Odyssee der „Orgel des Monats November 2022“!