Ratzmann-Orgel von 1819 in St. Crucis zu Wölfis im Kreis Gotha (Thüringen)
Ratzmann-Orgel von 1819 in St. Crucis zu Wölfis im Kreis Gotha (Thüringen)

„Wie ein Schloss, in dem nur eine Ecke bewohnt werden kann“

„Orgel des Monats Oktober 2021“ in Wölfis

Warum das thüringische Dorf Wölfis ein „klingendes, singendes“ ist? Man frage nur Ursula Rolapp. Die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates berichtet begeistert: Immer hat es in Wölfis einen großen Musikchor gegeben, seit 1878 hat das Dorf außerdem ein Blasorchester, daneben gibt es natürlich auch ein Kinder- und Jugendblasorchester, außerdem die „Kapelle ohne Namen“, diverse Tanzkapellen, einen Gesangschor. „Rein statistisch müsste jeder Dritte hier ein Instrument spielen“, sagt Ursula Rolapp. Ob Gottesdienst, Kirchfest oder die Eröffnung der Schwimmbadsaison: „Ohne Musik geht in Wölfis nichts!“

Ehrensache, dass die Gemeinde sich im August auch an dem „Orgelruf“ im Gothaer Land beteiligt hat, bei dem zum Auftakt des 95. Bachfestes 95 Orgeln gleichzeitig den Choral „Lobe den Herren“ erklingen ließen. Ein Weltrekord! Sage und schreibe vier der 95 Instrumente wurden in Wölfis gespielt, so die Kirchenratsvorsitzende: „Dabei waren eine große und eine kleine elektrische Orgel, eine Truhenorgel und natürlich unsere wunderbare Ratzmann-Orgel“. 

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St. Crucis Wölfis, Georg Franz Ratzmann (1819) 

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St. Crucis Wölfis, Georg Franz Ratzmann (1819) 

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St. Crucis Wölfis, Georg Franz Ratzmann (1819) 

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St. Crucis Wölfis, Georg Franz Ratzmann (1819) 

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St. Crucis Wölfis, Georg Franz Ratzmann (1819) 

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St. Crucis Wölfis, Georg Franz Ratzmann (1819) 

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Dass letztere überhaupt noch gespielt werden kann, ist keine Selbstverständlichkeit: Das Instrument in der St. Crucis-Kirche hat inzwischen mehr als 200 Jahre auf dem Buckel, ist stark verschmutzt, im Holz zeigen sich Risse, die Tastatur ist ausgespielt und nicht wenige Metallpfeifen sind verformt oder fehlen gleich ganz und wurden durch Holzattrappen ersetzt. Eine Sanierung ist zwingend – lohnt sie sich aber noch, angesichts der in Wölfis hörbar vorhandenen Alternativen?

Keine Frage, findet Ursula Rolapp. Da ist zum einen das ehrwürdige Alter des Instruments: 1819 wurde die Orgel von Georg Franz Ratzmann in Ohrdruf erbaut, einige Teile stammen sogar noch vom Vorgängerinstrument aus dem Jahr 1738. „Das ist eine sehr besondere Bauweise“, betont die Kirchenratsvorsitzende, „und es ist ein Glück, dass die Orgel – die zweitgrößte im Kirchenkreis! - in dieser Form so gut erhalten ist“. Nicht nur sie möchte das Instrument erhalten: Als Zeugnis des Thüringer Orgelbaus des frühen 19. Jahrhunderts steht es unter Denkmalschutz.

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Konzert „Favorites of Music“ mit Classic Brass am 18. September 2021 

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Benefizkonzert der Gruppe Nepalropa im Rahmen des Thüringer Orgelsommers 2021 am 09. Juli 2021 

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Benefizkonzert am 26. September 2019 mit der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach 

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Benefizkonzert am 26. September 2019 mit der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach 

Regelm%C3%A4%C3%9Fige%20j%C3%A4hrliche%20Weihnachtskonzerte%20mit%20dem%20Blasorchester%20W%C3%B6lfis

Regelmäßige jährliche Weihnachtskonzerte mit dem Blasorchester Wölfis 

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Adventssingen mit dem gemischten Chor Wölfis 

Der Sanierung der Ratzmann-Orgel wegen hat sich Ursula Rolapp – „keine gebürtige Wölfiserin, sondern eingeheiratet“ - in den Gemeindekirchenrat wählen lassen. Sie ist auch die treibende Kraft des gerade in Gründung befindlichen „Förderkreises Rekonstruktion Ratzmann-Orgel“. „Drei Viertel der Kirche sind künstlerisch bemalt und schön hell“, findet sie. „Aber da, wo die Orgel ist, im hinteren Bereich an der Westseite, da ist es dunkel. Das ist traurig!“. Rund 172.000 Euro werden nötig sein, um diesen traurigen Zustand zu ändern. Dazu kommen noch die Kosten für Elektrik und die Farbgestaltung des Prospekts und des Orgelbereichs.  Etwa 44.000 Euro entfallen auf den ersten Abschnitt, der noch in diesem Jahr beginnen soll, und bei dem es vor allem um die Dokumentation der folgenden denkmalgerechten Maßnahmen gehen wird. Die Stiftung Orgelklang fördert das Vorhaben mit 4.000 Euro.

Was das Instrument trotz aller Mängel noch kann, hat die Organistin Mira Cieślak mit dem Weimarer „Nepalropa Ensemble“ im Juli eindrucksvoll demonstriert. Bei einem Benefizkonzert im Rahmen des Thüringer Orgelsommers spielte sie so fulminant („Das war der Hammer!“), dass der Sanierungsbedarf überhaupt nicht zu hören war. Entsprechend bemühte sich der Kirchenmusikdirektor des Kirchenkreises, Theophil Heinke, das Hörerlebnis richtig einzuordnen. Er verglich die Orgel mit einem „Schloss, das Sie nur in einer Ecke bewohnen können. Nach der Restaurierung wird dieses Schloss wieder voll bewohnbar sein – und Sie werden beeindruckt sein von dem wunderbaren Klang dieses Instruments“.