„Orgel des Monats September 2026“ in München
Könnten sie ächzen, die Säulen der Orgelempore in der Münchener Lukaskirche, dann wären sie sicherlich regelmäßig zu hören. Denn allein der Prospekt des Instruments, das sie normalerweise tragen – also der sichtbare Teil aller Pfeifen – wiegt 3,5 Tonnen. (Wer weiterrechnen will: Zum Prospekt gehören in diesem Fall 280 Pfeifen. Insgesamt besitzt die Orgel 4560 davon.) Von einer so großen, schwergewichtigen „Königin der Instrumente“ erwartet man eigentlich einen „satten Sound“ – genau den aber gibt es (noch) nicht. Auch deshalb wird die Orgel in St. Lukas in diesen Tagen restauriert. Rund 800.000 Euro sind dafür veranschlagt; die Stiftung Orgelklang unterstützt das Vorhaben mit 5.000 Euro.
Erbaut wurde das Instrument in St. Lukas im Jahr 1932 von einer renommierten Orgelbaufirma, der G. F. Steinmeyer & Co. aus dem bayerischen Oettingen. Steinmeyer hatte im Jahr 1896 schon die Vorgängerorgel hergestellt (auf der auch so prominente Organisten wie Albert Schweitzer und Karl Straube spielten), von der es jedoch hieß, dass sie den großen Kirchraum nicht zu füllen vermöge. Das 36 Jahre nach dem Erstling folgende Opus 1568 erhielt als erste Orgel in München ein so genanntes Rückpositiv, also über ein in der Brüstung installiertes Pfeifenwerk, wie es vor allem im norddeutschen Barock üblich war. Bei seiner Einweihung konnte das Instrument in St. Lukas als das größte seiner Art in München auftrumpfen – bis heute gilt es als bedeutendstes Klangdenkmal der 1930er Jahre im süddeutschen Raum.
In den 1960er Jahren ereilte die „Orgel des Monats September 2026“ dann ein Schicksal, das sie mit den meisten ihrer Gattungsgenossinnen teilt: Im Zuge einer Generalsanierung intonierten die Fachleute das Instrument neu und passten es dem vorherrschenden neobarocken Klangideal an. Der ursprünglich volle, spätromanische Klang ging fast vollends verloren, „die Orgel wurde gewissermaßen klanglich kastriert. Heute lassen nur einzelne Register das spätromantische Potenzial noch erahnen“, sagt Tobias Frank, der Kantor der Lukaskirche. Da das Instrument auch ansonsten sanierungsbedürftig war – nicht mehr alle Töne wollten tönen, was zu kaschieren eine wachsende Herausforderung war – entschied sich die Gemeinde, es im Rahmen der Gesamtrestaurierung der Kirche ebenfalls instand setzen zu lassen.

St. Lukas München

St. Lukas München

St. Lukas München

St. Lukas München

St. Lukas München

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Diese Instandsetzung beginnt in diesen Tagen; „jetzt“, verkündet der Kantor, „geht es ans Eingemachte“: Berliner Orgelbauer werden das Instrument aus der schützenden Hülle befreien, alle Pfeifen reinigen und reparieren, ebenso wie die Windladen und die Register. Dann kommt das, worauf Tobias Frank und alle anderen Münchner Orgelfreunde besonders gespannt sind: die Rückführung auf das spätromantische Klangbild von 1932. Der Lukaskantor hat sich einige andere Steinmeyer-Werke dieser Zeit angehört und weiß: „Die klanglichen Möglichkeiten werden sich um ein Vielfaches steigern!“
Nicht wenige Münchnerinnen und Münchner gaben stattliche Einzelbeträge für dieses Ziel („Viele spenden auch für ‚Extras‘, wie zum Beispiel für den Zimbelstern“), trotzdem fehlen noch rund 150.000 Euro, um die Kosten der Sanierung zu decken. Tobias Frank ist zuversichtlich, diese Summe im Laufe der nächsten Jahre erspielen zu können: „Zu einem Orgelkonzert kommen normalerweise 400 bis 600 zahlende Gäste in die Kirche“.
An ihren alten Platz auf die dann wieder stark geforderte Orgelempore wird die „Münchner Königin“ im Laufe der ersten Monate des kommenden Jahres zurückkehren. Mitte April, zur Eröffnung der Lukaskirche, wird sie auf jeden Fall schon spielen können, ist der Kantor sicher. Die langersehnte neue Disposition wird möglicherweise erst danach vervollständigt werden, mutmaßt er. „Aber zum Münchener Orgelsommer im nächsten Jahr ist die Steinmeyer-Orgel wieder dabei - in spätromantischer Vollendung!“