Wiegand-Orgel von 1863 in der Maria-Magdalenen-Kirche Lauterbach
Wiegand-Orgel von 1863 in der Maria-Magdalenen-Kirche Lauterbach

Reinigung einer robusten Königin

„Orgel des Monats Juni 2020“ in Lauterbach

„Es gibt Leute, die achten mehr auf die Schönheit, andere mehr auf die Robustheit von Orgeln“, weiß Matthias Lehmann. Der Pfarrer ist froh, dass der Erbauer der Orgel in „seiner“ Kirche zu Lauterbach im Landkreis Leipziger Land eher zu Letzteren gehörte. Emil Wiegand, der das Lauterbacher Instrument 1863 fertigte, hatte sein Handwerk bei dem berühmten Orgelbauer Urban Kreuzbach in Borna gelernt, der auch „der Silbermann des 19. Jahrhunderts“ genannt wurde und einige andere, später namhafte Orgelbauer – darunter Friedrich Ladegast – ausbildete. Während die übrigen Schüler Kreuzbachs nach ihrer Ausbildung ihre Werkstätten in gebührendem Abstand zu Borna eröffneten, trat Emil Wiegand in direkte Konkurrenz zu seinem ehemaligen Meister, indem er zunächst den Nachbarort Witznitz für sein weiteres Schaffen wählte. Erst später siedelte er nach Leipzig-Gohlis über. „Beide Orgelbauer, Kreuzbach und Wiegand, waren dafür bekannt, dass sie Orgeln schufen, die pflegeleicht waren und lange hielten“, berichtet Matthias Lehmann.

Gerade jetzt im Sommer gebe es viele Orgeln, die aufgrund der hohen Temperaturen ausfielen, weiß der Theologe. Nicht so das Instrument in Lauterbach. Trotz seines hohen Alters funktioniert es – dank eines kürzlich hinzugefügten neuen Motors – auch in heißen Tagen noch immer für die musikalische Begleitung von Gottesdiensten. Trotzdem muss die weitgehend original erhaltene Orgel absehbar einige Reinigungs- und Reparaturarbeiten erfahren; auch, damit sie perspektivisch wieder als Konzertinstrument verwendet werden kann. 
 

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Maria-Magdalenen-Kirche Lauterbach 

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„Die Lauterbacher sind sehr dafür“, kann der Pfarrer berichten; die Orgel mit dem tiefen, vollen Klang gilt neben dem gotischen Flügelaltar als einer der „Schätze“ in der ansonsten eher schlichten Kirche. Solange das noch möglich war, fanden in der Kirche regelmäßig Benefizkonzerte statt, bei denen es anschließend die Gelegenheit gab, einen Blick ins Orgelinnere zu werfen. „Viele ältere Damen sind außerdem ganz klassisch mit der Spendenbüchse herumgegangen.“ Das ist derzeit natürlich nicht geboten, aber: „Sie stehen in den Startlöchern, um weiterzumachen“. Rund 14.000 Euro sind bislang an Spenden zusammengekommen; benötigt werden insgesamt knapp 53.000 Euro. Die Stiftung Orgelklang fördert das Instrument mit 3.000 Euro.

Wann genau die Instandsetzung beginnen kann, weiß Matthias Lehmann noch nicht. Denkmalschützer müssen Grünes Licht geben, Corona bremst auch hier. „Wir hoffen, dass es in diesem Jahr noch losgehen kann.“ Der Theologe liebäugelt schon mit dem nächsten Schritt: Gern möchte er eine „Orgelstraße“ durch die Region etablieren. Das Projekt, das sein Vor-Vorgänger schon begonnen hatte, liegt derzeit auf Eis – oder besser gesagt: in Lehmanns Garage: „Es gibt schon entsprechende Verkehrs- Hinweisschilder, die auf ihren Einsatz warten“, sagt er lachend. Lohnen würde sich dieser Einsatz heute mehr denn je: Die Gemeinde, die zu Zeiten von Lehmanns Vor-Vorgänger noch sieben Kirchen und Orgeln umfasste, ist nun auf eine Größe von 18 Gotteshäusern und Instrumenten angewachsen. Darunter auch sehr wertvolle, zum Beispiel von Gottfried Silbermann. „Die Zahl sehens- und hörenswerten Orgeln steigt, die der Radtouristen ebenfalls“, sagt Lehmann, „was wir brauchen, ist ein gutes Wegekonzept und natürlich Ansprechpartner in jedem Ort, wo die Leute dann vorbeikommen“.

Sobald die Weigand-Orgel wieder in Schuss ist, kann der Pfarrer sich der „Orgelstraße“ zuwenden. Um das Instrument in Lauterbach, da ist er sich sicher, muss er sich dann jedenfalls lange Zeit erst einmal nicht mehr kümmern: „Die Orgel ist dann wieder für Jahrzehnte in Schuss.“