Böhme-Orgel von 1842 in Schönburg
Böhme-Orgel von 1842 in Schönburg

Schöne Klänge für „noch mehr Leben“

„Orgel des Monats August 2018“ in Schönburg

„Das mit der Orgel stemmt der Gemeindekirchenrat“, sagt Michael Bartsch entschieden, „da muss ich als Pfarrer gar nicht mehr viel tun.“ Der Theologe ist begeistert von dem Engagement des Kirchengremiums in Schönburg an der Saale im Süden von Sachsen-Anhalt. Um Spenden für die Sanierung der Orgel in der örtlichen Kirche zu gewinnen, haben die Damen und Herren vom GKR, wie der Gemeindekirchenrat kurz genannt wird, sich einige Mühe gemacht. In einer großen Spendenaktion erhielten alle Haushalte in Schönburg Post vom Kirchenrat und wurden mit Text und Bild über das Sanierungsvorhaben informiert. Mehr als 13.000 Euro kamen dadurch zusammen. Auch das Gemeindefest im September wird Spenden einbringen, da ist sich Michael Bartsch sicher, ebenso wie Kollekten es tun, die von Zeit zu Zeit für die Orgel bestimmt sind.

Das Instrument, das die Stiftung Orgelklang als „Orgel des Monats August 2018“ würdigt, wurde 1842 von Johann Michael Gottlob Böhme aus Zeitz erbaut. Auch weil die Kirche zu Schönburg in den letzten Jahren umfassend restauriert und gestrichen wurde, ist es außerordentlich verdreckt und „geradezu verwahrlost“, heißt es im Förderantrag an die Stiftung. Einzelne Pfeifen sind gänzlich verstummt. In einem ersten Schritt wurde die Orgel inzwischen demontiert und in die Werkstatt in Werder bei Potsdam gebracht; dort wird sie bis Ende November gesäubert, aufgearbeitet und in den Originalzustand zurückgeführt. In einem zweiten Bauabschnitt, ab Juni 2019 geplant, soll die Orgel rundum restauriert sein. Insgesamt 150.000 Euro werden dafür aufzuwenden sein. Die Stiftung Orgelklang fördert die Maßnahmen in diesem Jahr mit 4.000 Euro.

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Dorfkirche Schönburg 

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Ganz unbeteiligt an der Finanzierung ist indes auch Michael Bartsch nicht. Seit mehr als 20 Jahren ist der54-Jährige Prediger im Dom der bekannten Schwesterstadt Naumburg, vor drei Jahren ist ihm zusätzlich die Verantwortung für die gut zehn Autominuten entfernte Kirche zu Schönburg zugewachsen. „In dieser Doppelfunktion liegt natürlich die eine oder andere Chance“, sagt er lächelnd. Sänger und Chöre, die in Naumburg reüssieren, kommen gern auch in die kleine Nachbarstadt. Erst vor wenigen Tagen hatte Bartsch in Naumburg den Thomaskantor Gotthold Schwarz zu Gast. Seitdem besteht Hoffnung, dass eine kleine Delegation der Thomaner in Schönberg bald ein Benefizkonzert für die Orgel geben wird.

Nicht erst seit der Dom zu Naumburg offiziell zum Weltkulturerbe der UNESCO avanciert ist, kommen viele Besucher in die Region. Egal ob sie mit dem Auto unterwegs sind, den Saale-Radwanderweg nutzen oder die Gegend zu Fuß erkunden - schon immer fiel ein Teil des touristischen Interesses auch für Schönburg ab. „Mit einer wieder schön klingenden Orgel können wir die Attraktivität des Ortes deutlich steigern“, ist der Pfarrer überzeugt. Auch das Evangelische Tagungshaus in Schönburg möchte er mit zusätzlichen Bildungsangeboten wiederbeleben. „Es wäre doch gelacht, wenn wir hier nicht noch mehr Leben einziehen lassen können“.