Overmann-Orgel in der Kreuzkirche Unteröwisheim

Orgel des Monats November 2016 in Unteröwisheim

Das Instrument in der Kreuzkirche spricht viele Spender an

Die Overmann-Orgel im badischen Kraichtal-Unteröwisheim ist einzigartig. Nicht nur ihres Klanges wegen, ihrer Geschichte oder ihres schönen Anblicks. Nein, dieses Instrument ist ein besonderes, denn es kann schreiben. Und das nicht etwa wie ein Erstklässler: Im November vergangenen Jahres füllte die Orgel die gesamte 13. Seite des Gemeindebriefes „miteinander“ mit Zeilen der Begeisterung: „Ich bin total happy. Ich habe nämlich mein Geschenk schon bekommen.“ Das vorgezogene Weihnachtsgeschenk, über das die Orgel sich so freute, war die Ankündigung des Förderbetrags in Höhe von 5.000 Euro, den die Stiftung Orgelklang für die Instandsetzung des Instruments 2016 zur Verfügung stellt. „Das ist der Höchstbetrag, den man bekommen kann. Und genau den habe ich geschenkt bekommen. Ist das nicht toll?“, fragt die Orgel entzückt.

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Wilhelm Overmann Orgel (Kreuzkirche) Unteröwisheim 

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Wilhelm Overmann Orgel (Kreuzkirche) Unteröwisheim 

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Wilhelm Overmann Orgel (Kreuzkirche) Unteröwisheim 

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Wilhelm Overmann Orgel (Kreuzkirche) Unteröwisheim 

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Einen flotten Stil pflegt die fast Zweihundertjährige. 1826 von Wilhelm Overmann erbaut, versieht die „Orgel des Monats November 2016“ der Stiftung Orgelklang in der Unteröwisheimer Kreuzkirche ihren Dienst. Schreiben kann sie allerdings erst seit etwa fünf Jahren, genauer: Seit Martin Mosebach ihr die Feder führt. Ein Wasserschaden hatte das denkmalgeschützte Instrument 2001 stark in Mitleidenschaft gezogen, „’Wir müssen etwas machen’ hieß es seitdem immer wieder von den Organisten“, erinnert sich Mosebach. Als „Mensch, der seit seinem 14. Lebensjahr die Kirchenmusik liebt“ fand sich der Verwaltungsfachangestellte 2012 mit anderen Orgelfreunden zu einem Unterstützerkreis zusammen und wurde zum „Ghostwriter“ für die Overmann-Orgel. „Das war eine geniale Idee, die wir bis heute beibehalten. Damit sprechen wir die Menschen auch emotional an und konnten schon viele großzügige Spenden gewinnen.“

Obwohl die „schreibende Orgel“ ein voller Erfolg ist, entwickelten die Unteröwisheimer weitere Ideen, um für das Instrument zu werben. So organisierten sie einen „Orgelaktionstag“, an dem der Sachverständige der Landeskirche das Instrument allen Interessierten ausführlich erklärte und dann mit der Gruppe die Nachbargemeinde besuchte, um die Overmann-Orgel mit dem dortigen Werk zu vergleichen. Bis in die Werkstatt in Friesenheim sind die Orgelfreunde ihrem Instrument schon gefolgt, um sich ein Bild von den Arbeiten vor Ort zu machen.

Martin Mosebach ist dabei, wann immer er kann. Seit 23 Jahren lebt er in Unteröwisheim, er arbeitet für die badische Landeskirche, singt im Kirchenchor und ist, wie viele andere Gemeindeglieder, dem Instrument in der Kreuzkirche sehr verbunden. „Das Besondere an unserer Orgel ist, dass noch sehr viele Teile des Originals erhalten sind, und dass es gelingen kann, den originalen Zustand weitgehend wieder herzustellen“, schwärmt der 59-Jährige. Im Pflichtenheft der Sanierer stehen die Reparatur der vom Wasserschaden besonders betroffenen Windladen, aber auch der Austausch von Holzteilen, die in den 60er Jahren unsachgemäß eingefügt wurden. Neu und der Overmannschen Intention entsprechend wird auch das Pedalwerk gebaut.

108.000 Euro wird dieser Bauabschnitt kosten, ein weiterer ist für das erste Quartal 2017 geplant; insgesamt rechnen die Verantwortlichen in der Gemeinde mit Kosten in Höhe von rund 193.000 Euro. Gleichzeitig lassen sie auch das Dach und die Decke der Kreuzkirche erneuern, damit künftige Regengüsse keinen neuen Schaden anrichten können. Die Unterstützung der Stiftung Orgelklang kommt da gerade recht, zumal sie um eine Projektspende ergänzt sogar 34.347 Euro beträgt.

Wenn alles geschafft ist, wird die Orgel an ihren angestammten Platz auf der Empore der Kreuzkirche zurückkehren. Ihr erstes Konzert als neue Klangschönheit wird sie am 9. April geben. Wie sie sich dann fühlt, wird sie sicher wieder ausführlich im Gemeindeblatt kundtun. Vermutlich sind sie und alle Gemeindemitglieder mit ihr dann „total happy“.