Furtwängler-Orgel von 1860 in St. Matthäi in Gronau (Leine)

Langer Atem für berühmtes Instrument

„Orgel des Monats Oktober 2016“ in Gronau

Philipp Furtwängler (1800 – 1867) fing vergleichsweise klein an: Er fertigte Uhren. Schwarzwälder Uhren. Als drittes von insgesamt elf Kindern eines Schwarzwälder Bauern und Frachtfuhrmannes verstand er sich auf das, was sein älterer Bruder ihm beigebracht hatte - am Ende seines Lebens sollte er aber als innovativer Orgelbauer in die Geschichte eingehen. Wie findet ein Uhrmacher seine Bestimmung für den Orgelbau? Philipp Furtwängler war begabt – handwerklich, mathematisch, technisch und nicht zuletzt musikalisch. Und er war ein perfektionistischer Autodidakt, immer auf der Suche nach weiteren Aufgaben und nach Perfektion. Im Alter von 20 Jahren ging er auf Wanderschaft, 1822 ließ er sich in Elze bei Hildesheim nieder, wo er heiratete und ein Wohnhaus mit Werkstatt bezog. Schon ein Jahr später begann er, größere Kreise zu ziehen, zum Beispiel mit der Wartung von Turmuhren. Im Laufe der Jahre wurde Furtwängler dann auch mit der Wiederherstellung von Orgeln betraut. Seine erste eigene Orgel wurde 1839 in der Kirche in Wittenburg eingeweiht. Mitte der 1850er Jahre beschäftigte der zunächst als „Thurm-Uhren-Fabrik Philipp Furtwängler“ eingetragene Betrieb 15 bis 20 Arbeitskräfte; in der Werkstatt, die Furtwängler später mit seinen Söhnen führte, entstanden jährlich drei bis fünf Orgeln und etwa sieben Turm- oder Bahnhofsuhren. Nach seinem Tod führten seine Söhne Wilhelm und Pius die väterliche Werkstatt in Elze weiter.

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St. Matthäi Gronau (Leine) 

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St. Matthäi Gronau (Leine) 

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St. Matthäi Gronau (Leine) 

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St. Matthäi Gronau (Leine) 

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St. Matthäi Gronau (Leine) 

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Das seit 1936 unter Denkmalschutz stehende, dem romantischen Klangideal entsprechende Instrument wird von der Stiftung Orgelklang als „Orgel des Monats Oktober 2016“ gewürdigt. Die anstehende Restaurierung, bei der die Einzelteile des Instruments gereinigt und insbesondere der Spieltisch, die Manualklaviaturen und der Balg instandgesetzt werden sollen, fördert die Stiftung mit 4.500 Euro. Doch auch die Gemeinde engagiert sich für „ihre Furtwängler“: Ein Viertel der insgesamt notwendigen rund 217.000 Euro haben die Gemeindemitglieder selbst aufgebracht. „Viele Menschen haben hier einen so langen Atem“, sagt Stephan Dreytza. Er ist nicht nur Vikar in Gronau, sondern auch gelernter Fundraiser und konnte die Spendenakquise in der Gemeinde professionell befördern. Sein Lieblingsprojekt sind die Tastenpatenschaften. 30 bis 500 Euro haben sich Orgelfreunde eine Patenschaft kosten lassen. „Der Clou daran ist die Möglichkeit, bestimmte Töne ganz persönlich zu kombinieren. Man kann als Freund des Komponisten Johann Sebastian Bach also zum Beispiel die Patenschaften für die Töne B, A, C und H übernehmen.“

9.400 Euro hat die Gemeinde auf diese Weise für die Orgel erhalten. Außerdem gab es in Gronau Tassen und Kugelschreiber mit dem farbenfrohen Orgelprospekt zu erwerben, in vielen Geschäften des Ortes standen Spendensammelboxen. Die örtliche Buchhandlung hat den Kalender für das Jahr 2016 auf Spendenbasis abgegeben, die Kinder des evangelischen Kindergartens haben mit selbst gefertigten Holzengeln und anderen Basteleien stolze 1850 Euro für die Orgel „verdient“. Rund 7000 Euro kamen durch Kollekten für das Instrument zusammen, außerdem verkauften die Gronauer bei jeder Gelegenheit Kuchen und Kaffee für den guten Zweck. Und Gelegenheiten gab es viele: den Frühlings- und den Nikolausmarkt etwa, Straßenfeste, Konzerte, eine Fotoausstellung zur Orgel.

Das Ziel, das in Gronau von so vielen Gemeindemitgliedern getragen wird, ist klar: Nicht nur soll die berühmte Orgel wieder mit voller Klangespracht im Gottesdienst tönen, sie wird auch für Chorproben gebraucht, für Orgelführungen und nicht zuletzt für die Möglichkeit zum Orgel-Unterricht. Das große Engagement Philipp Furtwänglers für sein Meisterwerk trägt damit weiterhin Früchte. 

Das größte Instrument Philipp Furtwänglers entstand im Jahr 1860 in der St. Matthäi Kirche in Gronau an der Leine. Für die damals geringe Summe von 2565 Reichstalern baute er das Werk mit drei Manualen, 57 Registern und 3596 Pfeifen, von denen die größte 4, 60 Meter misst. Um sein Werk zu vervollkommnen, fertigte er neun Register auf eigene Kosten – ein Glücksfall für die Gemeinde.