Die historische Vogt-Orgel in Hoof

Schnellschwimmen für die Romantik

Im hessischen Hoof wird die Restaurierung der „Orgel des Monats Februar“ mithilfe vieler origineller Ideen finanziert

In seinem letzten Lebensjahr, auf dem Höhepunkt seiner Kunstfertigkeit, schuf der Orgelbauer Eduard Vogt (1841 – 1913) aus Korbach für die Kirche im hessischen Hoof eines seiner letzten Instrumente mit 19 Registern, das damals gewissermaßen die Spitzentechnologie des romantischen Orgelbaus repräsentierte. Der Tastendruck dieser Orgel wurde nicht mit einer komplizierten Holz-Metall-Mechanik an die Pfeifen übertragen, sondern mit dem sanften Druck der Luft, also pneumatisch. Diese wenig anfällige Technik verlieh der Orgel ihren typisch romantischen, weichen Klang – und eben diesen Klang wollen die Gemeindeglieder in Hoof künftig wieder in ihrer Kirche hören.

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Evangelische Kirche Hoof 

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Ein Wunsch, der so verständlich ist wie seine Erfüllung kostspielig: Mehr als 150.000 Euro wird die Sanierung des Instruments kosten, den größten Anteil davon muss die Gemeinde selbst aufbringen. Nicht zuletzt deshalb war die Entscheidung für die Rekonstruktion der Vogt-Orgel keine leichte: „Wir haben alles von allen Seiten beleuchtet und diskutiert, vom vollständigen Neubau der Orgel über ihre oberflächliche Reparatur bis hin zu ihrer Rückführung in den Originalzustand“, sagt Frank Günther, der Vorsitzende des örtlichen Förderkreises. Erst nachdem acht Orgelbaufirmen konsultiert waren, fiel der Entschluss für den Erhalt der originalen Technik. „Das war letztlich in finanzieller und denkmalpflegerischer Sicht das Beste.“ Die Stiftung Orgelklang unterstützt die Sanierung ihrer „Orgel des Monats Februar“, nicht zuletzt dank einer noblen Projektspende, mit insgesamt 35.000 Euro.

Äußerlich bleibt alles beim Alten: Der originale, neugotische Prospekt wird restauriert, aber unverändert erhalten bleiben. Doch im Inneren vollzieht sich Grundlegendes: Spieltisch und Pneumatik müssen komplett rekonstruiert werden, die Pfeifen werden je nach Zustand beibehalten, repariert oder ganz ersetzt. Auch die Windladen und der Balg sollen gerettet werden.

Das klingt nicht nur aufwändig, das ist es auch. Frank Günther erklärt, warum die Wiederherstellung genau dieser Orgel mit ihrer pneumatischen Technik so wichtig ist: „Bei einer pneumatischen Orgel erklingt der Ton mit einer kurzen Verzögerung, daher stellt ein romantisches Instrument wie das unsere hohe Anforderungen an das Können des Organisten. Das erklärt vermutlich, warum die meisten Orgeln in der Region inzwischen elektrisch oder mechanisch, aber nicht mehr pneumatisch funktionieren – womit unsere Vogt-Orgel in Hoof zu einem seltenen und sehr feinen Exemplar ihrer Gattung wird“.

An Ideen für die Finanzierung dieses „feinen Exemplars“ mangelt es in der rund 2000 Mitglieder zählenden Gemeinde nicht. Neben naheliegenden Unternehmungen: Benefizkonzerte – bisweilen mit prominenter Unterstützung etwa von Ivan Rebroff, Gunther Emmerlich und Peter Horton - und die Vergabe von Pfeifenpatenschaften, gibt es immer wieder unkonventionelle Aktionen. Zum Beispiel das „Sponsorenschwimmen“, das seit 2008 fester Bestandteil des Spendenprogramms ist und auf eine Idee von Konfirmanden hin entstand. Frank Günther erinnert sich an das erste Schnellschwimmen: „Die Konfirmanden hatten sich im Familien- und Bekanntenkreis „Sponsoren“ gesucht, die für jede von ihnen innerhalb von 30 Minuten geschwommene Bahn einen bestimmten Betrag geben wollten. Dann wurden im nahe gelegenen Hallenbad entsprechende Bahnen reserviert, und los ging es.“ Dank der großen Beteiligung wurde die Initiative zu einem „Mini-Volksfest am Beckenrand“, und sie brachte viel Geld: „Da gab es schon Sponsoren, die versprochen hatten, 5 oder sogar 10 Euro pro Bahn zu spenden. Die hatten nicht damit gerechnet, wie verdammt schnell die Konfirmanden schwimmen konnten“, schmunzelt der Vorsitzende des Förderkreises.

Ein „Evergreen“ sind inzwischen auch die „Hoofer Filmtage“, die in Anlehnung an die gleichlautende Veranstaltung in der Bayerischen Stadt Hof ins Leben gerufen wurden. Ein Wochenende im November gehört seitdem den Filmfans. „Einen roten Teppich gibt es nicht, dafür aber jede Menge guter Filme, gemeinsames Lachen, ein schönes Buffet und am Abend eröffnet eine Cocktailbar. Das ist schon etwas anderes als sich zu Hause eine DVD anzuschauen“, sagt Günther. Rund 100 bis 130 Besucher kommen in das Gemeindehaus – und wer etwas isst oder trinkt, der spendet automatisch für die heimische Orgel.

83.000 Euro hat die umtriebige Gemeinde inzwischen gesammelt; genug, um mit der Sanierung zu beginnen: Im Januar wurde die Vogt-Orgel ausgebaut und in die Werkstatt nach Thüringen transportiert. Weil auch die Kirche Restaurierungen nötig hat und eingerüstet wird, werden Konzerte seltener stattfinden in den kommenden Monaten und Spenden etwas spärlicher fließen. „Umso mehr freuen wir uns über die Unterstützung der Stiftung Orgelklang“, sagt der Förderkreisvorsitzende.

Rund ums Erntedankfest, hofft Günther, wird die Orgel mit dem romantischen Ton wieder erklingen. Mit seiner Rückkehr wird auch der 100-jährige Geburtstag des Instruments gefeiert. „Was den konkreten Termin angeht, sind wir recht entspannt“, kündigt Günther an, denn: „Es ist klar, dass die Orgel 1913 geschaffen wurde; der ganz genaue ’Geburtstag‘ ist aber nicht bekannt, weil die entsprechende Urkunde verloren ging“. Sicher ist, dass es wieder ein besonderes Fest sein wird, das die Gemeinde erwartet. Und wenn der Termin am 6. Oktober gehalten werden kann, wird es in Hoof einen außerordentlichen Ernte- und Orgeldank-Gottesdienst geben.