Orgel in St. Nicolai Grünhain

Eine Hommage an Christian Gottlob Steinmüller

Mit der Restaurierung der Orgel in St. Nicolai ehrt die Gemeinde in Grünhain „ihren“ Orgelbaumeister

Der Tod seines Lehrmeisters wurde für Christian Gottlob Steinmüller (1792 – 1864) zur großen Chance. Zwar hatte er 1812 im sechsten Lehrjahr seine Ausbildung zum Orgelbauer in der Werkstatt seines Onkels Johann Gottlob Trampeli im vogtländischen Adorf noch nicht ganz abgeschlossen. Doch er galt als wissbegierig und fleißig, daher wurde ihm, als Trampeli überraschend verstarb, angetragen, einen bereits abgeschlossener Auftrag auszuführen. Der Lehrling ergriff die Chance und schuf sein Meisterstück, die Orgel für die St. Nicolaikirche im sächsischen Grünhain. Das Instrument wurde nicht nur termingerecht fertig, sondern machte ihren Erbauer weit über das Erzgebirge hinaus bekannt.

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St. Nicolai Grünhain 

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St. Nicolai Grünhain 

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St. Nicolai Grünhain 

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Die Grünhainer waren zufrieden: Sie konnten die Steinmüller-Orgel zusammen mit der neu erbauten klassizistischen Kirche wie geplant im Oktober 1812 weihen. Sie waren sogar so zufrieden, dass sie Christian Gottlob Steinmüller drängten, in der Stadt zu bleiben; er ließ sich erweichen und in der Hospitalgasse nieder. Dort schuf er in seiner Grünhainer Werkstatt 25 weitere Orgeln, aber auch viele Klaviere und Äolsharfen.

200 Jahre ist dies her - im vergangenen Jahr konnte die Gemeinde in Grünhain das 200jährige Kirchweihjubiläum begehen. Zum Fest wurde St. Nicolai fein herausgeputzt und umfassend saniert. Auch die Orgel sollte vom Festglanz profitieren. Aber das war leichter gedacht als getan, denn dort, wo einst das Steinmüllersche-Meisterstück thronte, sind inzwischen nur noch wenige Prospektpfeifen zu sehen.

Wo war die Orgel geblieben? Mehrfach war das Instrument, das die Stiftung Orgelklang zur „Orgel des Monats Januar 2013“ ausgewählt hat, im Laufe der Jahre umgebaut worden; immer ging dies mit Verlusten der ursprünglichen Substanz einher. Starker Wurmbefall, klemmende Ventile und eine defekte pneumatische Traktur machten die Notwendigkeit einer kompletten Restaurierung immer deutlicher. 1977 wollte die Kirchgemeinde eine solche endlich in die Wege leiten, sogar ein entsprechender Auftrag wurde erteilt. „Die Umstände in der DDR ließen die Realisierung dieses Auftrags aber nicht zu“, sagt Pfarrer Christoph Georgi.

Und als die Zeitläufte sich geändert hatten und die Sanierung schließlich möglich war, musste sich die Orgel hinten anstellen, denn zuerst sollte die Renovierung der Kirche selbst beendet sein. Daher wurde das kaum noch spielbare Instrument 1994 stillgelegt, fünf Jahre später im Zuge der Deckensanierung direkt über dem Orgelgehäuse fast gänzlich ausgebaut. Der historische Bestand – sieben von ursprünglichen 25 Registern und das Gehäuse – wurde konserviert und auf dem Dachboden von St. Nicolai eingelagert.

Diese Kisten wurden Ende 2012 wieder hervorgeholt und geöffnet; die Schaffung einer neuen Orgel – „in Anlehnung an das Original“ - ist in vollem Gang. Das Instrument, hofft Georgi, wird zum Ende des Jahres in St. Nicolai erklingen. Mehr als 300.000 Euro werden dafür nötig sein, etwa die Hälfte davon wird die Gemeinde selbst aufbringen, 58.000 Euro steuert – nicht zuletzt dank einer noblen Projektspende des örtlichen Fördervereins - die Stiftung Orgelklang bei. „Uns hilft auch, dass über 40 Prozent der Einwohner Grünhains zur Gemeinde gehören“, sagt der Pfarrer, „entsprechend groß ist die Unterstützung“. Besonders aktiv sind die knapp 60 Mitglieder des Fördervereins. Wenn der gemeinschaftliche Kraftakt gelungen und das Instrument wieder an seinen Platz über dem Eingangsportal zurückgekehrt ist, soll es für viele regionale und überregionale musikalische Glanzpunkte sorgen; „vor allem werden wir in Grünhain und den Nachbargemeinden aber endlich wieder gemeinsame Gottesdienste mit Orgelmusik und Konzerte erleben“, freut sich Georgi. Und nicht zuletzt soll die neue Orgel, die natürlich alle historischen Bestandteile enthalten wird, „eine Hommage sein an ihren Erbauer und berühmten Sohn der Stadt, Christian Gottlob Steinmüller“.