Orgel in der Dorfkirche Tanneberg

„Ein besonderer Schatz im Ort“

Im sächsischen Tanneberg wird das erste Werk von Friedrich Ladegast restauriert

Sie war das Gesellenstück von Friedrich Ladegast. 1838 schuf der später so berühmte Orgelbauer die kleine, einmanualige Orgel der Dorfkirche im sächsischen Tanneberg, einem Ortsteil von Mittweida. Entstanden ist das Instrument noch in der Werkstatt seines älteren Bruders Christlieb; obwohl sie keiner traditionellen Musikerfamilie entstammten, hatten beide Brüder – vielleicht auch inspiriert durch den berühmten Landsmann Gottfried Silbermann, der 150 Jahre zuvor im nur 50 Kilometer entfernten Freiberg gewirkt hatte – sich für die Profession des Orgelbauers entschieden.

Friedrich Ladegast sollte seinen Bruder bald in den Schatten stellen. In seiner eigenen Werkstatt schuf er 1862 zum Beispiel die Orgel für die Leipziger Nikolaikirche, damals das größte Instrument seiner Art in Sachsen. Auch die zwei Jahre später erbaute dreimanualige Orgel für die Schlosskirche zu Wittenberg stammte von ihm; um genügend Platz für den Bau der Orgel zu haben, die für den Schweriner Dom vorgesehen war, musste Friedrich Ladegast sogar in eine größere Werkstatt umziehen. Mit der Fertigstellung dieses Instruments im Jahr 1871 festigte er seinen Ruhm als international bedeutender Orgelbauer endgültig.

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Friedrich Ladegast Orgel, Dorfkirche Tanneberg 

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Friedrich Ladegast Orgel, Dorfkirche Tanneberg 

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Friedrich Ladegast Orgel, Dorfkirche Tanneberg 

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Friedrich Ladegast Orgel, Dorfkirche Tanneberg 

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Friedrich Ladegast Orgel, Dorfkirche Tanneberg 

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Friedrich Ladegast Orgel, Dorfkirche Tanneberg 

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Die kleine Orgel in Tanneberg hatte Ladegast indes nicht vergessen: 1882 baute er das Instrument höchstselbst noch einmal um. Spätere Umbauten, oft aus modischen Gründen vorgenommen, waren der Qualität der Orgel weniger zuträglich. Auch aus diesem Grund muss das Instrument, das die Stiftung Orgelklang als „Orgel des Monats Februar“ würdigt, nun saniert werden. An den klassizistischen Prospekt werden die Fachleute dabei ebenso Hand anlegen wie an die dahinterliegende Windanlage und die Bälge. Alle Pfeifen sind zur Reinigung entfernt, die Klaviaturen müssen überarbeitet, die Trakturen reguliert werden. Am Ende soll das Instrument äußerlich und klanglich wieder möglichst originalgetreu restauriert sein, hofft Pfarrer Reinald Richber.

5.000 Euro stellt die Stiftung Orgelklang für diese Maßnahmen zur Verfügung, 64.000 Euro muss die Gemeinde insgesamt aufbringen. Vorträge, Benefizkonzerte, eine Ausstellung, ein Spendenbasar – „die Tanneberger haben erkannt, dass sie einen besonderen Schatz im Ort haben“, sagt der Pfarrer, „und sie machen sich seit vielen Monaten stark dafür. Die Einwerbung von Geldern bedeutet viel Arbeit, aber das verbindet.“ Unterstützung gibt es von den Schwesterkirchengemeinden ringsum, auch dort wird eifrig gesammelt. „Überraschend und schön“ nennt Richber das raumgreifende Engagement für die Ladegast-Orgel, denn er weiß auch: „Allein hätten das die Tanneberger nicht geschafft.“

Wenn die Orgel im Herbst wieder klingt wie zu Ladegasts Zeiten, soll die kleine Dorfkirche in den Lutherweg durch Sachsen eingebunden werden und in eine Route von Orgeltouren. Dann werden nicht nur die Gottesdienst- und Konzertbesucher der Gemeinde, sondern auch zahlreiche Touristen einen neuen akustischen Genuss erleben.