Stumm-Orgel in der Dorfkirche Selzen von 1787

Die Gemeinde in Selzen will ein wertvolles Erbe erhalten

„Orgel des Monats Januar“

„Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen“. Dieses Zitat von Johann Wolfgang von Goethe ist das Leitwort für die Instandsetzung der Orgel in der Evangelischen Kirche im rheinhessischen Selzen. „Ererbt“ hat die kleine Gemeinde im Landkreis Mainz-Bingen ein historisches Instrument aus der Orgelwerkstadt Stumm, das seine Zuhörer mit farbigen Streicher- und Flötenklängen ebenso begeistern konnte wie mit schmetternden Trompeten. Mit filigraner Technik und kunstvollem Gehäuse im Jahr 1791 erschaffen, war die Orgel von Anfang an ein Prunkstück in der Kirche. Besonders wertvoll ist sie heute nicht nur ihrer klanglichen Möglichkeiten wegen, sondern auch aufgrund des hohen Bestandes an originaler Substanz: In mehr als 200 Jahren ist sie von grundlegenden Umbauten weitgehend verschont geblieben. Anders als die meisten ihrer Artgenossinnen, die im Ersten Weltkrieg Pfeifen zu Rüstungszwecken abgeben mussten, hat die Stumm-Orgel auch diese original behalten.

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Franz u. Philipp Stumm Orgel, Ev. Kirchengemeinde Selzen-Hahnheim-Köngernheim 

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Franz u. Philipp Stumm Orgel, Ev. Kirchengemeinde Selzen-Hahnheim-Köngernheim 

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Franz u. Philipp Stumm Orgel, Ev. Kirchengemeinde Selzen-Hahnheim-Köngernheim 

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Franz u. Philipp Stumm Orgel, Ev. Kirchengemeinde Selzen-Hahnheim-Köngernheim 

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Franz u. Philipp Stumm Orgel, Ev. Kirchengemeinde Selzen-Hahnheim-Köngernheim 

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Franz u. Philipp Stumm Orgel, Ev. Kirchengemeinde Selzen-Hahnheim-Köngernheim 

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Franz u. Philipp Stumm Orgel, Ev. Kirchengemeinde Selzen-Hahnheim-Köngernheim 

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Franz u. Philipp Stumm Orgel, Ev. Kirchengemeinde Selzen-Hahnheim-Köngernheim 

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All seiner Pracht zum Trotz hat das Instrument, das die Stiftung Orgelklang zur „Orgel des Monats Januar 2015“ gewählt hat, im Blick auf seinen technischen Zustand inzwischen gelitten. Das Windsystem ist nicht mehr ausreichend dicht, die Mechanik ist schwergängig, Klimaschwankungen haben in dem sensiblen Gefüge der Orgel zu Rissbildungen geführt. Einige Pfeifen stehen nicht mehr stabil auf ihrem Platz. „Kläglich“ nennt die zuständige Pfarrerin Angela Krause die Befindlichkeit des Instruments, das in Gottesdiensten nur eingeschränkt, bei Konzerten gar nicht mehr gespielt werden kann. Die Gemeinde wollte dem Trauerspiel ein Ende setzen. Also lautete der Beschluss, dass die Orgel saniert werden muss.

In wenigen Tagen werden Fachleute das Instrument in der Kirche abbauen; sechs bis acht Monate, so die Prognose, wird man in Selzen auf die Orgel verzichten müssen, um sie im Goethe‘schen Sinne zu „erwerben“. Ersatz soll in dieser Zeit ein elektrisches Harmonium leisten, aber: „Ein Hochzeitsmarsch zum Beispiel klingt ohne Orgel einfach nicht. Ich habe die Brautpaare, die in dieser Zeit heiraten wollen, schon einmal vorgewarnt“, sagt die Pfarrerin, die erst im August wieder Trauungen mit feinstem Orgelklang versprechen möchte.

Rund 140.000 Euro wird die Instandsetzung der Stumm-Orgel kosten. Die Stiftung Orgelklang fördert das Vorhaben mit 5.000 Euro, in der Gemeinde wird seit langem „kräftig gesammelt“. In der Kirchengemeinde hat sich ein Orgelausschuss gebildet, der mit Flyern, Spendenaufrufen, Benefizkonzerten und vielen Einzel-Aktionen hartnäckig und erfolgreich um Spenden für die Restaurierung wirbt. Auch das Instrument selbst unterstützt die Werber: „Die Orgel hat uns in den letzten Monaten oft bei Gottesdiensten den Gefallen getan, zu quäken oder gar ganz ihren Dienst zu verweigern“, so Angela Krause. Die Notwendigkeit der Sanierung ist offenkundig, und so spürt die Pfarrerin zu vielen Gelegenheiten sehr deutlich „dass die Menschen hier die Instandsetzung möchten“. Selbst der Verbandsbürgermeister unterstützt die Spendensammler.

Ist der „Erwerb“ des Instruments im Spätsommer gelungen, hoffen die Selzer nicht nur auf störungsfreie Gottesdienste, sondern auch auf eine Erweiterung der Chorarbeit durch Orgelbegleitung und auf eine Orgelkonzertreihe. Und was jetzt noch wie Zukunftsmusik klingt, werden die Gemeindeglieder in Selzen doch ganz absehbar „besitzen“.