Orgel in St. Marien Kirchhain von 1920

Eine Königin wird vollendet

„Orgel des Monats Mai 2016“ in Kirchhain

Normalerweise beschäftigt sich Bernd Heinke mit dem Bau von Industrieanlagen. Aber auch mit Orgeln kennt er sich inzwischen gut aus. „Einige dicke Bücher zum Thema stehen in meinem Regal“, sagt er, „und manche davon habe ich auch gelesen“. 13 Jahre ist es her, dass der im brandenburgischen Kirchhain wohnende Maschinenbauingenieur zu seinem speziellen Steckenpferd kam. Auslöser war eine Warnung des damaligen Kantors im Kirchenrat: „Er meinte, wir sollten schon einmal anfangen, Geld zu sammeln, weil die Orgel absehbar restauriert werden müsste“. Als Beauftragter des Gemeindekirchenrates nahm Bernd Heinke die Mahnung des Fachmannes ernst; gemeinsam mit anderen Engagierten begann er, Pläne zu schmieden und sich orgelkundig zu machen. Als sich nach einiger Vorbereitungszeit 2007 der „Förderkreis Voigt-Orgel zu Kirchhain“ gründete, übernahm Bernd Heinke in diesem Gremium den Vorsitz.

St.Marien%20Kirchhain

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Als zu arbeitsintensiv empfindet der 53-Jährige, der inzwischen auch Vorsitzender des Gemeindekirchenrates ist, sein Engagement für Gemeinde und Orgel nicht: „Es macht mir einfach Spaß“, sagt er, „und ich bin ja nicht der Einzige, der sich einsetzt. Wenn es dann doch mal irgendwo knirscht, muss man eben die Zähne zusammenbeißen“. Es ist die Größe des 1921 von Arno Voigt erbauten Instruments, und es ist „die Technik dahinter“, die den Ingenieur faszinieren. „Außerdem natürlich die wunderschöne Musik und der einmalige Klang. Wenn man in der Kirchenbank sitzt und miterlebt, wie die Bank leicht bebt - -das schafft keine elektrische Orgel“.

Die Orgel in St. Marien war das 68. Werk des Orgelbauers Arno Voigt aus Bad Liebenwerda. Die originale hochromantische Disposition wurde maßgeblich von Johannes Rohrbach gestaltet, der Organist am Französischen Dom in Berlin war. „Aber im Zuge der Orgelbewegung erfolgten mehrere Umbauten, mit denen das Instrument an den barocken Zeitgeschmack angepasst werden sollte“, weiß Heinke. Dieser Versuch ist fehlgeschlagen; der zuständige Orgelsachverständige spricht in seinem Gutachten gar von einer „Karikatur einer Barockorgel“. Ziel der Restaurierung war daher von Beginn an auch, die Disposition von 1921 zu rekonstruieren. „Dabei ist besonders daran zu denken, dass in der Niederlausitz kein weiteres dreimanualiges Orgelwerk aus der hochromantischen Epoche erhalten ist“, schreibt der Gutachter, der dem Instrument daher einen „einmaligen Wert“ zuerkennt.

Die Stiftung Orgelklang würdigt das Instrument in Kirchhain als „Orgel des Monats Mai 2016“ – damit erhält es diesen Titel bereits zum zweiten Mal. Schon 2012, als die Sanierung begann, stellte die Stiftung 11.000 Euro zur Verfügung. In diesem ersten großen Bauabschnitt, der insgesamt 134.000 Euro kostete, wurde insbesondere die Technik des Instruments restauriert: Winderzeugung, Tontraktur und Spieltraktur. Nachdem auch das Hauptwerk und etwa die Hälfte der Pfeifen wiederhergestellt waren, kehrte die Orgel aus der Werkstatt zurück. Darüber freute sich auch Pfarrer Ronny Hauske: „Seitdem können wir die Orgel zum Glück wieder für Gottesdienste verwenden, und in eingeschränktem Maß sind auch Konzerte möglich.“ Damit der Kantor und die vielen Freiwilligen, die in St. Marien auf der Orgelbank sitzen, spielen und üben, wieder aus dem Vollen schöpfen können, soll in diesem Jahr das Pfeifenwerk der verbleibenden beiden Manuale restauriert werden. Die Stiftung Orgelklang gibt, nicht zuletzt dank einer großzügigen Projektspende, dafür noch einmal 20.000 Euro hinzu.

Das Engagement für die Voigt-Orgel war von Anfang an sehr hoch - auch von Seiten der Gemeinde, betont Bernd Heinke. „Als die Orgel demontiert wurde, waren fünf Gemeindemitglieder mit Wasser und Staubsauger zur Stelle und haben in stundenlanger Arbeit die Pfeifen gereinigt und Teile für den Abtransport in die Werkstatt vorbereitet.“ Seitdem veranstalten Gemeinde und Förderkreis viele Benefizkonzerte und Orgelandachten, es spielen bekannte und weniger bekannte Organisten aus der Region, regelmäßig musizieren auch die Kinder der Kreismusikschule in der Kirche. „Das ist natürlich besonders schön, auch weil Eltern und Großeltern kommen und die Aufmerksamkeit für die Orgel weitere Kreise zieht“, meint Pfarrer Hauske.

Besonders einträglich ist darüber hinaus eine Aktion, die der Förderverein nach dem ersten Bauabschnitt initiierte: die Orgelpfeifenpatenschaften. Eine große, in der Südseite des Kirchenschiffs aufgestellte Tafel kündet von vielen Spenderinnen und Spendern und ihren jeweiligen Patenpfeifen. Wer eine Patenschaft übernimmt oder als Geschenk erhält, dessen Name wird sofort in die Tabelle auf das Feld der entsprechenden Pfeife hinzugeklebt. Bernd Heinke ist stolz auf diesen Erfolg: „Damit haben wir schon fast 29.000 Euro zusammenbekommen“.

Die vollkommene Instandsetzung der Voigt-Orgel ist also absehbar; der Vereinsvorsitzende plant indes schon weiter voraus: Er möchte die Arbeit des Fördervereins auch nach der Sanierung fortsetzen, denn: „Was viele vergessen ist, dass so ein Instrument auch gepflegt werden muss. 2000 bis 3000 Euro pro Jahr – so viel müssen wir veranschlagen. Das langfristige Ziel ist, diesen ‚Unterhalt‘ für den schönen Klang unserer Orgel sicher zu stellen“.