Orgel in der Reformierten Kirche Uttum (Kreis Aurich)
Orgel in der Reformierten Kirche Uttum (Kreis Aurich)

Wiederherstellung eines weltberühmten Klangs

„Orgel des Monats Februar 2020“ in Uttum

Die Orgel der evangelisch-reformierten Kirche Uttum steht in Japan. Genauer: An der Kwassui University in Nagasaki ist ein Nachbau des friesischen Originals zu finden. Dortige Musikstudierende sollen die Möglichkeit haben, alte Musik an einem historisierenden Instrument kennen zu lernen. Wieso aber hat man sich im Fernen Osten ausgerechnet die Orgel aus einem 480-Seelen-Dorf im äußersten Nordwesten Deutschlands zum Vorbild genommen?

Zur Beantwortung der Frage ist zunächst eine Hörprobe angeraten. Wer die gemacht hat, schwärmt: Die Orgel repräsentiert das Klangbild der niederländischen Renaissance und ist in ihrer Klangqualität einzigartig, so die Fachwelt. Kirchenrat Christian Janssen wird konkret: „Wenn das Trompetenregister gezogen wird und man schließt die Augen, dann meint man, ein Blasorchester würde spielen“. Der Vorsitzende des Kirchenrats bestätigt, dass immer wieder „Organisten aus der ganzen Welt“ in das Warfendorf Uttum kommen, um das Instrument zu bewundern. „Früher hatte die Ostfriesische Orgelakademie eine Zweigstelle hier, da haben Studierende aus aller Herren Länder am Spieltisch gesessen“, sagt er. So mag sich die Kunde von dem außergewöhnlichen Instrument verbreitet haben, und das offenbar nachhaltig.

Damit ist, zweitens, schon die Geschichte des wertvollen Werkes mit im Spiel: Um 1660 ist die „Orgel des Monats Februar“ entstanden – das genaue Datum ist ebenso wenig bekannt wie der oder die Erbauer. Ein Niederländer vielleicht? Wichtig ist in jedem Fall der Umstand, dass das Renaissance-Instrument, im Unterschied zu den meisten anderen „Geschwistern“ seiner Zeit, fast vollständig original erhalten ist. Und es klingt auch noch wie vor 360 Jahren. Entscheidend dafür war insbesondere eine Restaurierung im Jahr 1957, erinnert sich Christian Janssen. Orgelbaumeister Jürgen Ahrend habe sich damals, „anders, als es en vogue war“ entschlossen, „das Alte zu bewahren“. Dank Ahrend blieb die inzwischen denkmalgeschützte Orgel ein Unikat in Deutschland, dessen Attraktivität bis weit über die Landesgrenzen hinaus reicht, bis in die USA oder eben auch: bis nach Japan. 
 

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Reformierte Kirche Uttum 

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Reformierte Kirche Uttum 

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Entsprechend unbeirrt und langmütig hat die kleine Gemeinde nun dafür gesorgt, dass das musikalische Kleinod weiterhin in Schuss bleibt: „Für die anstehende Sanierung sammeln wir seit etwa zehn Jahren Spenden“, sagt der Kirchenratsvorsitzende. Auch bei Gemeindefesten, Trauungen und Beerdigungen, bei Konzerten und Führungen wurde und wird um Unterstützung für das Projekt gebeten. Sechs neue Prospektpfeifen müssen angeschafft werden, das Pfeifenwerk insgesamt erneuert, ebenso die drei Bälge. Die musikalische Instandsetzung soll schon im Juni beendet sein, dann wird die Orgel wieder in der Kirche aufgebaut. Teil zwei der Sanierung betrifft das Gehäuse, das renoviert werden und neue Farbe erhalten wird. Rund 190.000 Euro, schätzt Christian Janssen, wird die Gemeinde an den Orgelbauer zahlen (der übrigens ein Sohn des vor 63 Jahren so umsichtig handelnden Orgelbaumeisters Ahrend ist). Die Gemeinde hat rund 34.000 Euro gesammelt, die Stiftung Orgelklang fördert das Vorhaben mit 3.000 Euro. „Das war der entscheidende Baustein zum Schluss: Die Finanzierung ist gesichert“.

Christian Janssen freut sich auf die Rückkehr der „Königin“ in ihre Heimatkirche, die auch die seine ist. Er ist „mit der Orgel groß geworden“, sagt der 44-jährige Bauingenieur, der nur knapp hundert Meter von der Kirche entfernt wohnt. Bis auf studienbedingte Unterbrechungen in Oldenburg und Hannover hat Janssen immer in Uttum gewohnt. Langweilig wird es in dem kleinen Ort bei all dem Rummel um die Orgel absehbar jedenfalls nicht.