Dinse-Orgel im Kirchsaal Berlin-Nordend

Kultur und gute Ideen für die „Orgel des Monats Juli“

Wer die Renovierung der Dinse-Orgel in Berlin-Nordend unterstützen will, hat viele Möglichkeiten

Das Rezept für Holundergelee ist einfach: Benötigt werden reife Holunderblüten, Apfelsaft und viel Gelierzucker. Hilfreich ist die Kenntnis der Gelierkunst - zum Beispiel, wenn man eine Orgel sanieren will. So wie Bernd-Michael Kleber, der sich als Vorsitzender des Fördervereins Jugendstil-Kirchsaal Nordend im Berliner Bezirk Pankow-Nordend für die Restaurierung der im Kirchsaal befindlichen Dinse-Orgel engagiert. Gemeinsam mit weiteren Gemeindemitgliedern hat er erst kürzlich wieder viele Gläser Holundergelee produziert – zum eigenen Verzehr, aber vor allem: abzugeben an Personen, die für die Instandsetzung der Orgel spenden. Das mehr als 100 Jahre alte Instrument liegt Kleber, der als Professor für Zahnmedizin an der Berliner Charité wirkte, sehr am Herzen. „Es ist ein wirkliches Schmuckstück, das sich in bemerkenswerter Weise überwiegend original erhalten hat“.

Kirchsaal%20Berlin-Nordend

Kirchsaal Berlin-Nordend 

Kirchsaal%20Berlin-Nordend

Kirchsaal Berlin-Nordend 

Kirchsaal%20Berlin-Nordend

Kirchsaal Berlin-Nordend 

Kirchsaal%20Berlin-Nordend

Kirchsaal Berlin-Nordend 

Kirchsaal%20Berlin-Nordend

Kirchsaal Berlin-Nordend 

Kirchsaal%20Berlin-Nordend

Kirchsaal Berlin-Nordend 

Kirchsaal%20Berlin-Nordend

Kirchsaal Berlin-Nordend 

Kirchsaal%20Berlin-Nordend

Kirchsaal Berlin-Nordend 

auf der Landkarte anzeigen

Die Liebe zur Orgel teilt Kleber mit 26 weiteren Mitgliedern des Fördervereins. Im Zusammenspiel mit der Gemeinde hat man bereits das Umfeld des Instruments, den Jugendstil-Kirchsaal, restauriert; nun fehlt allein eine schön tönende Orgel. Deshalb bieten Kleber und seine Mitstreiter nicht nur die schmackhaften Ergebnisse der Gelee-Produktion an, offeriert werden auch handgezeichnete Postkarten, Orgelkekse und –weine. Möglich sind darüber hinaus Patenschaften für einzelne Orgelpfeifen, sagt Kleber, „und Menschen, die lieber etwas in der Hand haben möchten, können eine nicht mehr einsatzfähige Orgelpfeife ersteigern“.

Vielfältig also sind die Möglichkeiten, die Restaurierung der Orgel im Kirchsaal der Evangelischen Kirchengemeinde Nordend zu unterstützen. Das im Jahr 1910 von der renommierten Berliner Orgelbaufirma Gebrüder Dinse für 4.130 Mark auf der Empore des Kirchsaals errichtete Instrument gehört zu den ältesten Bestandteilen des im Jugendstil gehaltenen Saales. Überwiegend in grau-weißem Ton gehalten und äußerlich in der Tat hübsch anzusehen, offenbart die Orgel in ihrem Inneren jedoch einen „kläglichen Zustand“, meint Kleber. „Es war ein Wunder, dass diese Orgelpfeifen überhaupt noch Töne hervorbrachten“.

Viele Wirren hat das von der Stiftung Orgelklang als „Orgel des Monats Juli“ gewählte Instrument überstanden; in der Nachkriegszeit konnte es gerettet werden, und auch ein geplanter Abriss in den 80er Jahren wurde verhindert. Seit einer technischen Instandsetzung in den 90er Jahren ist die Orgel gerade noch für die Begleitung des Gemeindegesangs brauchbar. Doch eine grundlegende Restaurierung war langfristig unausweichlich. „Der Klang soll weiter verbessert, die Einheit von Raum und Orgel wieder erlebbar werden“, sagt Kleber.

Der erste Schritt auf diesem Weg ist schon geschafft: Das komplette Pfeifenwerk wurde ausgebaut, gereinigt, sortiert und – je nach Eignung – weiter verwendet oder ausgemustert. „Dies alles geschah unter tätiger Mithilfe aus der Gemeinde“, betont der Vereinsvorsitzende. Die Stiftung Orgelklang hat diese Arbeiten, die insgesamt 29.000 Euro gekostet haben, mit 8.000 Euro unterstützt.

Damit auch der zweite Abschnitt verwirklicht werden kann, sind weitere Gelder vonnöten. Spenden werben Gemeinde und Förderverein nicht nur durch die Abgabe von Gelee und Keksen, sondern auch durch zahlreiche kulturelle Leckerbissen: In diesen Tagen beginnt der „Kultursommer Nordend“ mit vielfältigen Konzerten, darüber hinaus gibt es im Jahreslauf mehrfach so genannte Sonntagsvorlesungen und Autorenlesungen. Der Fördervereinsvorsitzende erklärt den Unterschied: „Das erste Veranstaltungsformat findet, wie der Name schon sagt, immer sonntags statt. Nach dem Gottesdienst hält ein Professor der Theologie oder eines anderen geistes- oder naturwissenschaftlichen Gebiets eine kleine Vorlesung. Die Autorenlesungen finden am Nachmittag statt; dabei steht immer ein Buch im Mittelpunkt.“ Für eine Buchvorstellung kamen bereits namhafte Gäste wie Joachim Gauck, Friedrich Schorlemmer, Christoph Hein und Alexander Osang nach Nordend. „Die Veranstaltungen werden gut angenommen, der Kirchsaal hat sich zu einem gefragten Kulturort entwickelt.“

Informationen über Veranstaltungen und die Dinse-Orgel finden Sie unter www.pixel-fuer-den-jugendstil.de oder unter www.luther-nordend.de.