Von Athanasius Hannover zieht die Orgel nach St. Michael Letter

In St. Michael findet die „Orgel des Monats Oktober“ eine neue Wirkungsstätte

Von Hannover nach Letter sind es nur zwölf Kilometer

In Letter, dem größten Ortsteil von Seelze nordwestlich von Hannover, steht die moderne evangelische Kirche St. Michael, die 1956 eingeweiht wurde. Die örtliche Gemeinde ist so groß, dass wohl niemand ernsthaft auf die Idee kommen würde, das Gotteshaus zu schließen. Einzig die Klänge der Orgel könnten Anlass geben, darüber nachzudenken: Das Instrument ist trotz einer Reparatur im Jahr 1996 windstößig, die Tremulanten funktionieren nicht. Die Pfeifenmensuren sind teilweise falsch gewählt, die Querschnitte der Windladen und der Windzuleitungen zu klein. Die Zungenstimmen klingen dünn. Im Hauptwerk fehlt ein Prinzipal 8´, im Rückpositiv der Prinzipal 4´. Eine Generalüberholung der Orgel ist bei diesen gravierenden Mängeln nicht möglich.

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St. Michael Letter 

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Ungefähr zwölf Kilometer südöstlich von Letter befindet sich die Athanasiuskirche. Das ebenfalls moderne Gotteshaus war eine von insgesamt drei Kirchen der evangelisch-lutherischen Südstadtgemeinde Hannover - und eine mehr, als die Gemeinde finanzieren konnte: Athanasius wurde im März dieses Jahres entwidmet. In dieser Kirche gab es indes eine neobarocke, nach klassischen Grundsätzen in den späten 1960er Jahren von Karl Schuke konzipierte Orgel, die nach Ansicht des örtlichen Kreiskantors Harald Röhrig nicht nur technisch einwandfrei sondern „ganz hervorragend“ klang, so, wie es für Gottesdienste angemessen ist. Da solche in Athanasius nicht mehr stattfinden, wurde die Orgel mittlerweile abgebaut.

Was liegt da näher, dieser Schukeorgel in St. Michael eine neue Wirkungsstätte zu geben? Zumal das Instrument, das die Stiftung Orgelklang als „Orgel des Monats Oktober“ würdigt, auch räumlich wunderbar passt. „Dies ist ein seltener Glücksfall, da Orgeln grundsätzlich für einen bestimmten Raum konzipiert werden“, erklärt Röhrig. „Die vielen zu berücksichtigende Aspekte wie die Größe des Instrumentes, die musikalische Stilistik, Fragen der Architektur, der Akustik  und der Statik sprechen alle für eine Verwendung der Schukeorgel in St. Michael“.

Dies überzeugte auch die Verantwortlichen der beiden Gemeinden, die sich auf einen Verkauf des Instruments einigten. Auch wenn der Kreiskantor eine neue Orgel heute anders konzipieren würde, so ist er doch von der besonderen Qualität des neuen „alten“ Instrumentes mehr als überzeugt: „Das wichtigste ist, dass eine Orgel in sich schlüssig ist“, meint er. „Zu viele Modifikationen nehmen ihr das Reizvolle und Schöne.“

Für den Einbau der Schukeorgel in St. Michael bedarf es nur kleiner Veränderungen. „Das Regiewerk muss neu gebaut werden  und das Rückpositiv wird um ein Register erweitert.“ Im Übrigen soll die Orgel ein Glockenspiel mit 39 gestimmten Schalenglocken bekommen. „Eine Besonderheit, die der klanglichen Strenge eine charmante Note gibt“, freut sich Röhrig.
Und noch eine Besonderheit soll St. Michael künftig auszeichnen: Die alte Orgel der Firma E. Hammer aus Hannover wird nicht etwa komplett abgebaut, sondern teilweise in das Orgelkonzept integriert: Das Rückpositiv der Hammerorgel, seinerzeit der erste Bauabschnitt und heute der beste Teil des alten Instrumentes, kann überholt und weiterverwendet werden. Geben wird es darüber hinaus einen zusätzlichen mobilen Spieltisch, sodass beispielsweise Andachten im Altarraum auf dem kleinen Instrument begleitet werden können. „Sogar die Darstellung von Kompositionen für zwei Orgeln ist dann denkbar“, meint Röhrig.

270.000 Euro soll das Projekt insgesamt kosten. Der „Freundeskreis Musik“, in dessen Vorstand der Kantor aktiv ist, hat mit seinen Spendenaufrufen bereits einiges dafür getan, dass die Orgelklänge in St. Michael zukünftig keinen Anlass für Verstimmungen mehr geben. „Im kommenden Jahr sollen dann noch zwei Benefizkonzerte zur weiteren Unterstützung beitragen.“ Die Stiftung Orgelklang fördert das Vorhaben – nicht zuletzt dank einer prominenten Projektspende - mit 43.000 Euro.Röhrig geht davon aus, dass alles nach Plan läuft: „Die Zeichen stehen gut, dass der Einweihung der neuen Orgel mit einem Festgottesdienst, einem Gemeindefest, mit Orgelführungen und einem Einweihungskonzert Mitte Juli nächsten Jahres nichts mehr im Wege steht.“